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Traditionelle chinesische Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TMC) ist eine aus China ausgehende Heilkunde. Dabei werden neben der klassischen chinesischen Diagnostik auch unterschiedlichste Therapieverfahren eingesetzt, etwa Akupunktur, Moxibustion, Qugong oder die chinesische Arzneitherapie.

Wie hat sich die traditionelle chinesische Medizin (TCM) entwickelt?

Durch die westliche Medizin größtenteils in China verdrängt, belebte sich die Jahrtausende alte chinesische Heilkunst in Form der traditionellen Chinesischen Medizin mit eigenständiger Philosophie, Diagnostik und Therapie erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts wieder. Sie betrachtet Symptome immer im Kontext des jeweiligen Menschen mit seinem spezifischen Körper, seinen individuellen Lebensumständen und im Zusammenspiel mit seinem „Qi“.

  • Bedeutung von „Qi“

    Dieses „Qi“ kann beschrieben werden als der harmonische Fluss der Lebensenergie und verdeutlicht eine energetische Betrachtung von Krankheit und Gesundheit. In chinesischer Vorstellung fließt das Qi in festgelegten Bahnen (Meridiane) und zahlreichen Verbindungen untereinander durch den Körper. Einerseits muss das Qi in harmonischem Fluss gehalten werden, um Krankheiten oder Beschwerden zu vermeiden oder zu heilen. Andererseits geht es darum, den Körper und seine Umwelt im Gleichgewicht zu halten beziehungsweise das Gleichgewicht wiederherzustellen, wenn es sich verschoben hat.

  • Leitkriterien

    Die traditionelle Chinesische Medizin bedient sich unter anderem der acht Leitkriterien (Ba Gang), welche eine Einteilung der Erkrankung nach Yin/Yang, Innen/Außen, Leere/Fülle und Hitze/Kälte beinhalten. Das Verständnis von Gesundheit und Krankheit ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin zudem in einen philosophischen Überbau eingebettet, der 5-Elemente-Lehre. Anhand der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser werden der Makrokosmos (Umwelt) und der Mikrokosmos (Mensch) und alle Zusammenhänge in Wandlungsphasen beschrieben, die in einer Wechselbeziehung stehen und sich in einem dynamischen Zustand befinden. Die Wandlungsphasen stellen ein Entsprechungssystem dar.

  • Wandlungsphasen

    Wandlungsphase Holz

    Die zugehörigen Organe sind Leber und Gallenblase.

    Die zugehörigen Emotionen sind Mut und Wut.

    Die zugehörige Farbe ist grün.

    Das zugehörige Sinnesorgan (der Öffner) sind die Augen.

Wie läuft die Diagnostik in der TCM ab?

Ebenso wie der Schulmediziner führt der TCM-Mediziner mit dem Patienten ein Anamnesegespräch. Hier macht er sich ein Bild über den körperlichen Zustand, die Beschwerden, die Lebensumstände und die soziale und gesundheitliche-familiäre Geschichte.

  • Unterschiede in der Diagnostik zwischen TCM und westlicher Medizin

    Deutlicher als bei der schulmedizinischen Untersuchung kommt der TCM-Arzt seinem Patienten im wahrsten Sinne des Wortes nahe. Anstelle von Diagnostikgeräten nutzt er bei der Untersuchung vorrangig seine körperlichen Eindrücke. Er begutachtet unter anderem das Gangbild, die Gesichtsfarbe, den Klang der Stimme, erkundigt sich nach der Stuhlkonsistenz, dem Schlaf, der Menstruationsdauer und der Beschaffenheit des Menstruationsblutes.

  • Stellenwert der Puls- und Zungendiagnostik

    Kennzeichnend für die traditionelle chinesische Medizin sind dabei die Puls- und Zungendiagnostik:

    Der Puls wird nicht mit einer Manschette, sondern klassisch mit den Fingern gemessen. Der Arzt interessiert sich weniger für die exakte Relation von Häufigkeit und Zeit, sondern er erfühlt die Art des Pulsschlags, die mit mehr als 30 Qualitäten beschrieben wird, z.B. oberflächlich, tief, rollend, schlüpfrig, stark, schwach, wegdrückbar und so weiter.

    Auch die Zunge mit ihrer individuellen Form, Beschaffenheit und Farbe sowie dem Belag gibt dem TCM-Mediziner genaue Auskunft über das Befinden des Patienten.

Was sind die traditionellen Behandlungssäulen der Traditionell Chinesischen Medizin?

Die traditionelle Chinesische Medizin basiert auf fünf Behandlungssäulen: chinesische Arzneitherapie (CAT), Akupunktur mit Moxibustion, Qigong und Taiji, Tuina-Massage sowie Ernährungslehre.

  • Chinesische Arzneitherapie (CAT)

    Die chinesische Arzneitherapie (CAT) ist ein Baustein der traditionellen Chinesischen Medizin. Innerhalb der TCM wird die CAT als Innere Medizin bezeichnet. Insgesamt ist dieses Therapieverfahren das am häufigsten angewandte Therapieverfahren.

    Die Arzneien sind überwiegend aus pflanzlichem Ursprung, gegebenenfalls werden auch tierische oder mineralische Bestandteile eingesetzt. Die Zusammenstellung dieser Rezepturen wird als Königsdisziplin der TCM bezeichnet und erfordert ein langjähriges Studium des TCM-Arztes.

    Die Zusammenstellung erfolgt individuell und richtet sich nach den spezifischen Beschwerden des Patienten.

    Spezialisierte Apotheken garantieren die Reinheit und Qualität der chinesischen Arzneien. Nähere Informationen hierzu bietet verschiedene Fachgesellschaften wie das Centrum für Therapiesicherheit in der Chinesischen Medizin oder die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur.

  • Akupunktur und Moxibustion

    Bei der Akupunktur werden mit Hilfe von feinen Nadeln bestimmte Punkte auf den Körpermeridianen stimuliert. Neben diesen klassischen Formen haben sich in der Praxis weitere Arten der Akupunktur etabliert, wie z. B. die Laserakupunktur, die etwa bei Kindern angewandt werden.

    Bei der Moxibustion wird z. B. getrocknetes Beifußkraut auf die an bestimmte Stellen am Körper platzierte Nadel gesteckt und auf der Nadel angezündet. Das heiße Moxakraut auf der Nadel führt (ohne, dass es zu Verbrennungen an der Haut kommt) zu einer sehr angenehmen tiefen Wärmeempfindung im Körper und kann somit den eingedrungenen pathogenen Faktor Kälte vertreiben (z. B. bei Knieschmerzen oder Rückenschmerzen mit Kälteempfindlichkeit). Das Moxakraut kann auch in einem speziell dafür hergestellten Kästchen auf den Bauch oder Rücken platziert werden, was ebenfalls eine sehr angenehme Tiefenwärme erzeugen kann.

  • Qigong und Taiji

    Qigong und Taiji sind heilgymnastische Übungen mit meditativem Charakter, bei denen Bewegung, Atmung und geistige Strategien gleichermaßen im Fokus stehen.

    Neben der kurativen Anwendung dienen sie traditionell der Prävention und verdanken ihre Popularität in der westlichen Welt nicht zuletzt dem steigenden Anstieg von gefährdendem Stress und Burnout.

  • Tuina

    Diese chinesische Heilmassage wird als Akupunktur mit den Fingern beschrieben. Die Leitbahnen des Körpers und der Qi-Fluss stehen auch hier im Fokus bei der Behandlung.

    Die Griffe des Therapeuten stimulieren kunstfertig Teilbereiche oder den ganzen Körper des Patienten.

  • Ernährungslehre

    Wie in der westlichen Welt ist der Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit wichtiger Baustein in der Prävention und in der Behandlung von Krankheiten nach TCM. Neben dem Nährwert beschreibt die 5-Elemente-Küche den energetischen Charakter von Speisen, der sich etwa aus der Zubereitung, der Geschmacksrichtung oder der Konsistenz ergibt.

Häufige Fragen

  • Welche Erkrankungen können mit Traditioneller chinesischer Medizin behandelt werden?

    Die TCM sollte als ergänzende Therapieform gesehen werden. Verantwortungsvolle Ärzte und Therapeuten werden zunächst bei neuen Symptomen oder schwerwiegenden Erkrankungen eine klassische Diagnostik und Therapie einschlagen. Ergänzend können jedoch auch bei schwerwiegenden Erkrankungen, wie etwa einer Krebserkrankungen, Symptome gelindert werden und eine Beschwerdebesserung herbeigeführt werden.

    Erfolge können sich auch bei Erkrankungen wie etwa chronischen Rückenschmerzen, chronischen Knieschmerzen, Heuschnupfen, Wechseljahrsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Schulter-Arm-Beschwerden, Schlafstörungen, rezidivierende Blasenentzündungen, myofasziale Schmerzen, Neurodermitis, rezidivierende Infekte, oder Reizdarmsyndrom zeigen. Diese lassen sich häufig sehr gut mit TCM behandeln. Besprechen Sie daher Ihre Schritte in einem vertrauensvollen Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt.

  • Gibt es Unterschiede in der Behandlungsqualität bei TCM?

    Die einzelnen Disziplinen der TCM bedürfen fundierten Fachwissens und langer Übung. Bei der Suche nach Kliniken, Medizinern oder Therapeuten mit Kenntnissen in Traditioneller Chinesischer Medizin sollten immer die Dauer und der Veranstalter der jeweiligen Ausbildung kritisch betrachtet werden.

  • Werden die Leistungen der TCM von meiner Krankenkasse übernommen?

    Nach wie vor gehören die Therapien der TCM nicht zu den Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Eine Ausnahme bilden geförderte Präventionskurse in Qigong und Taiji sowie die Akupunkturbehandlung bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Kniegelenksarthrose, wenn die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen. Private Krankenkassen beinhalten meist einen alternativmedizinischen Leistungsbaustein, der Therapien nach TCM bei entsprechenden Beschwerden vorsieht.

News zum Thema traditionelle chinesische Medizin

  • Wirkung von chinesischer Arzneitherapie (CAT) bei Asthma

    Zum Thema Asthma und traditionelle chinesische Medizin wurden in den letzten Jahren zahlreiche Studien durchgeführt. Eine Übersichtsarbeit untersuchte und bewertete insgesamt 20 Studien bis einschließlich 2014, die eine Behandlung von Asthma bei Kindern mit Chinesischer Arzneitherapie durchgeführt haben. Insgesamt zeigte sich ein positiver Effekt auf Husten und Asthma. Größere Studien müssen diese Effekte jedoch noch bestätigen, um eine eindeutige Aussage zu liefern.

Unserer Ratgeber aus dem Bereich Prävention

In folgenden Ratgebern stellen wir aktuelle Behandlungsmethoden vor und zeigen Ihnen, welche Krankenhäuser und Experten sich auf Prävention spezialisiert haben.

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    Patientenmanagement

Interview mit Herr chin. Prof. Wang, Jing, Kräuter- und Akupunkturspezialist

Herr chin. Professor Wang, Jing

Chinesischer Professor, Kräuter- und Akupunkturspezialist

Herr chin. Prof. Wang ist ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der traditionellen chinesischen Medizin. Nach umfangreichem Studium der TCM und der klassischen Schulmedizin an der Hochschule für Traditionelle Chinesische Medizin Tianjin erweiterte er sein Wissen auf diesem Gebiet an vielen Krankenhäusern, unter anderem dem Bao Kang-Krankenhaus. Nach einem Aufenthalt am Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin Münster wirkt er nun an der iTCM Klinik Illertal. In unserem Interview erläutert er wesentliche Behandlungskonzepte der traditionellen chinesischen Medizin.

Gibt es Besonderheiten bei einer Behandlung in einer TCM-Klinik?

Herr chin. Professor Wang, Jing: In Abhängigkeit des Beschwerdebildes, der Erkrankung und des Untersuchungsbefundes kommen vorzugsweise Traditionelle Chinesische Heilkräuter, Akupunktur und Qigong zur Anwendung. Elektroakupunktur, Schädelakupunktur, Ohrakupunktur, Pflaumennadelakupunktur, Moxibustion, Infrarot-Wärmelampe, Schröpfen, Schröpfmassage und Gua Sha ergänzen das individuelle therapeutische Vorgehen.

Bei welchen Erkrankungen können Ihrer Erfahrung nach besondere Erfolge mit der Behandlung durch TCM erzielt werden?

Herr chin. Professor Wang, Jing: Die chinesische Medizin dient der Vorbeugung, Behandlung und Wiederherstellung der Gesundheit. Das Behandlungsspektrum ist breitgefächert, der Therapieerfolg hängt von der Erkrankung und dem individuellen Ansprechen auf die Therapie ab.

Verdauungssystem:
Funktionelle Beschwerden wie Aufstoßen, Sodbrennen, Magenkrämpfe, Blähungen, chronische Verstopfung, Diarrhoe im Sinne von Reizmagen bzw. Reizdarm sprechen auf eine TCM-Behandlung sehr gut an. Bedeutsam ist die Behandlung auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Bei geringer Entzündungsaktivität ist die alleinige TCM-Therapie erfolgreich, bei mittelschwerer/schwerer Aktivität ergänzt die TCM die obligate schulmedizinische Behandlung.

Atmungssystem:
Häufige grippale Infekte infolge eines schwachen Immunsystems, allergischer Schnupfen, Asthma bronchiale, akute und chronische Bronchitis, chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen sind mit TCM ausschließlich oder in Ergänzung zur Schulmedizin (Antibiotikagabe) mit Erfolg behandelbar.


Herz-Kreislauf:
Durch Studien belegt ist die Wirksamkeit der TCM bei leichtem bis mittelschwerem Bluthochdruck, allerdings ist dabei – wie in der Schulmedizin – eine Dauer- oder Intervalltherapie nötig. Da der koronaren Herzkrankheit eine Entzündung der Herzkranzgefäße zugrunde liegt, kann in Ergänzung zur westlichen Medizin insbesondere eine Kräutertherapie mit entzündungshemmender Wirkung (Dan Shen) wirkungsvoll durchgeführt werden. Funktionelle Herzbeschwerden mit und ohne harmlose Herzrhythmusstörungen sind einer Behandlung mit TCM sehr gut zugänglich

Harnsystem:
Funktionelle Störungen wie Stress-Reizblase, Enuresisnocturna, neurogene Blasenfunktionsstörungen, chronisch-rezidivierende Entzündungen wie Pyelonephritis, Urethritis, Prostatitis sind ebenfalls erfolgreich behandelbar. Wie bei allen Erkrankungen ist vor einer Behandlung mit TCM eine sorgfältige schulmedizinische Abklärung nötig.

Nervensystem:
Von besonderer Bedeutung verbunden mit gutem Therapieerfolg ist eine Behandlung mit TCM bei Spannungs-Kopfschmerz, Migräne,
Morbus Meniere, Fazialisparese, Trigeminusneuralgie, Zahnschmerzen, Interkostalneuralgie, Ischias, posttraumatischen Schmerzen, Polyneuropathie der Beine (Taubheitsgefühle), Restless Legs (unruhige Beine). Auch Schlafstörungen und Angststörungen sprechen auf eine TCM Behandlung mit hohem Erfolg an.

Gynäkologie:
Schmerzhafte Regelblutungen, Menstruationsstörungen, Menstruationskopfschmerz, Menopausensyndrom, Erbrechen während der Schwangerschaft, vergeblicher Kinderwunsch (Funktionsstörung) sind im Behandlungsspektrum der TCM.

Haut:
Akne, Ekzem, Urtikaria, Hautjuckreiz, Trockene Haut, Neurodermitis, rezidivierende Follikulitis

Bewegungsapparat:
Studienbelegt ist der Erfolg in der Behandlung von Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat vorzugsweise mit Akupunktur, z. B. bei Schulter-Arm-Syndrom, Frozen Shoulder, Rückenschmerzen, Lumbalgie, Knieschmerzten, Muskel- oder Faszienschmerzen, Rheuma

Psyche:
chronische Müdigkeit, Burnout und Erschöpfung, Konzentrationsschwäche können durch eine multimodale TCM-Behandlung angegangen werden. Allerdings sollte immer an eine zugrundeliegende Depression gedacht und der Patient im Zweifelsfalle einem Psychiater vorgestellt werden.

Oft wird in der Öffentlichkeit die Akupunktur als Synonym für TCM wahrgenommen. Welche weiteren Behandlungen stehen außerdem hinter der TCM und welche Bedeutung ordnen Sie diesen zu?

Herr chin. Professor Wang, Jing: Die TCM zeichnet sich durch ein breites Behandlungsinstrumentarium aus:

  1. Die chinesische Kräutermedizin ist für die meisten Krankheiten geeignet, sie ist die Hauptmethode der chinesischen Medizin.
  2. Die Moxibustion ist hauptsächlich an kälteinduzierte Hypofunktionskrankheiten angepasst.
  3. Ohrakupunktur und Schädelakupunktur verstärken und erweitern die therapeutische Wirkung der normalen Akupunktur
  4. Qigong eignet sich bei allen psychischen und physischen Erkrankungen zur Unterstützung in der Wiederherstellung des Gleichgewichtes der neurovegetativen Steuerung des Organismus
  5. Huo'guan, Tuina, Gua Sha eignen sich mehr für die Konditionierung von Muskeln, Sehnen und inneren Organfunktionen.

Viele der in der TCM angewandten Kräuter sind in unseren Breitengraden unbekannt. Wie erfolgt die Verarbeitung der Heilkräuter in Ihrem Haus?

Herr chin. Professor Wang, Jing: Die traditionelle chinesische Kräutermedizin hat zwei Formen: unverarbeitete Kräuter oder Kräuter als Granulate. Bei originärer Kräutermedizin werden diese nach dem Abkochen eingenommen. Granulate werden in heißem Wasser aufgelöst und warm getrunken. Von herausragender Bedeutung ist für uns die Patientensicherheit in der Behandlung mit chinesischen Kräutern/Granulaten, dies ist nachfolgend von der Eichwald-Apotheke Bad Wörishofen, zertifizierte TCM-Apotheke, dargelegt:

TCM-Granulate sicher identifizieren: Alle unsere chinesischen Granulate werden von der Firma ChinaMedica GmbH in Rottach-Weissach unter Leitung von Herrn Bachhuber bezogen und mit einem Zertifikat nach §6 und §11 der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) geliefert. Um dem Anspruch auf höchste Qualität gerecht zu werden, werden alle Rohstoffe umfangreichen Laboruntersuchungen (Plantasia GmbH) unterzogen und gemäß den Vorgaben des europäischen und chinesischen Arzneibuches vertrieben. Für eine qualitative Analytik und Identitätsbestimmung arbeiten wir mit Hilfe der MIR-Technologie (Spektroskopie im mittleren Infrarotwellenbereich). Unser FTIR-Spektrophotometer „IRAffinity-1“ der Firma Shimadzu gewährleistet uns dies. Die dazugehörige IRsolution-Software ermöglicht uns die Prüfung chinesischer TCM-Drogen und TCM-Drogengranulaten, sowie eine Prüfung auf Verunreinigungen. In Verbindung mit webbasierten Referenzbibliotheken der Firma Photection GmbH ergänzt sich alles zu einem zuverlässigen Identifikationsprüfsystem. Auf Grundlage einer umfangreichen Identitätsfeststellung mittels HPLC, DC und weiteren Methoden erstellt der Sachverständige Mag. E. A. Stöger/ Plantasia GmbH (Universität Wien) für die zu untersuchende TCM-Droge/Granulat ein MIR-Spektrum als Referenz. Dieses Spektrum wird anschließend in eine spezielle Datenbank der Photection GmbH überführt. Photection GmbH erstellt, ergänzt und pflegt anhand des Identitätsprüfsystems „TCM-Ident“ die MIR-Spektren-Datenbank. Diese Spektren werden unserer Apotheke zum Abgleich und zur Erstellung der jeweiligen Prüfprotokolle zur Verfügung gestellt. Nach Wareneingang in unsere Apotheke, wird die zu untersuchende Probe (Kraut oder Granulat) mittels FTIR-Spektrophotometer vermessen. Dazu werden die Probendaten erfasst und unter Standardvorgaben gemörsert und gesiebt. Nach Vermessung erhalten wir ein Prüfspektrum dieser Probe. Das erhaltene Prüfspektrum wird nun online im Identitätsprüfsystem „TCM-Ident“ mit der Referenz verglichen und ausgewertet. Abschließend erfolgt die Freigabe der Probe, die somit in unseren chinesischen Rezepturen weiterverarbeitet werden kann.

Wie läuft bei Ihnen die Kooperation mit anderen Fachdisziplinen ab?

Herr chin. Professor Wang, Jing: Da unsere Klinik seit Anbeginn sich der integrativen, ganzheitlichen Medizin verpflichtet hat, unterliegt sie der Leitung eines Internisten und Kardiologen. Im Ärzteteam befinden sich eine Ärztin für Allgemeinmedizin, eine Chirurgin und ein Psychiater. Alle zur Behandlung kommenden Patienten werden im Ärzteteam besprochen. Zur Schwerpunkt-Therapie mit TCM werden dann ergänzende diagnostische und/oder therapeutische schulmedizinische Ansätze hinzugenommen.