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Raucherentwöhnung

So verbreitet wie Tabak bei uns auch ist, so bewußt sind uns auch die Gefahren, die mit dem Rauchen einhergehen. Trotz der Gefahren fällt das Aufhören oft schwer. Dieser Artikel beleuchtet Vorgänge und Wirkungen von Tabak auf Ihren Körper und zeigt Ihnen alle Methoden zur Raucherentwöhnung auf.

Was macht der Tabak im Körper?

Tabak enthält Nikotin, welches über die Lunge aufgenommen wird und in den Blutkreislauf übertritt. Über die Blutbahn gelangt Nikotin in das Gehirn, wo es an Andockstellen (Rezeptoren) der Nervenzellen bindet. In Folge werden Botenstoffe aus den Nervenzellen ausgeschüttet, welche wiederum verschiedene körperliche Reaktionen auslösen.
Auf das Herz-Kreislauf-System wirkt Nikotin antreibend. So werden die Atmung und der Herzschlag schneller, auch der Blutdruck steigt. Zusätzlich wird die Gerinnungsneigung des Blutes gefördert, sodass sich leichter Blutgerinnsel bilden können.
Ebenfalls fördert Nikotin die Verdauung, was wiederum durch die vermehrte Darmtätigkeit zu Durchfall führen kann.
Nikotin hat einen starken Einfluss auf die Psyche. Durch die ausgeschütteten Botenstoffe wird ein Wohlempfinden ausgelöst, man fühlt sich wacher und geistig fitter, das Lernen und Erinnern fällt leichter und das Stressempfinden wird gemindert. Jedoch kann auch die Empfindlichkeit für Schmerz gesteigert werden und durch Aktivierung des Brechzentrums ist Übelkeit bis hin zum Erbrechen möglich.

Warum sollten Sie mit dem Rauchen aufhören?

Folgende Faktoren sollten Sie dazu bewegen, mit dem Rauchen aufzuhören:

  • Ihre Mitmenschen um Sie herum atmen beim Rauchen die giftigen und krebserregenden Stoffe des Tabaks unfreiwillig ein.
  • Ihre Kleidung und Ihr Atem riechen nach Rauch.
  • Ihr Leben verkürzt sich um ungefähr sieben bis zehn Jahre
  • Rauchen spielt in der Auslösung vieler Krankheiten eine große Rolle

Zu den Folgeerkrankungen gehören:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall
  • Lungenerkrankungen, z.B. Ansteckung mit Krankheitserregern (Infekte) im oberen Teil der Atemwege, Lungenentzündung
  • Krebserkrankungen, z.B. Lungenkrebs, Speiseröhrenkrebs
  • Augenerkrankungen, z.B. Linsentrübung (Grauer Star)

Welche Möglichkeiten der Raucherentwöhnung gibt es?

Möglichkeiten zur Entwöhnung gibt es zahlreiche: Nikotinersatzprodukte wie Nikotinpflastern, Nikotinkaugummis, Nikotinlutschtabletten und Nikotininhalatoren können das Verlangen nach dem Rauchen verringern und auch die Entzugserscheinungen abmildern. Sie sind grundsätzlich weniger gesundheitsschädlich. Insbesondere für starke Raucher stellen diese eine gute Lösung dar, meist empfiehlt sich jedoch auch eine Kombination mit anderen Methoden. Neben medikamentösen Therapien (Bupropion, Vareniclin) stehen auch spezielle Raucherentwöhnungskurse, Akupunktur und die Hypnosetherapie zur Verfügung.

Was bewirken Nikotinersatzprodukte?

Mit Nikotinersatzprodukten, wie Nikotinpflastern, Nikotinkaugummis, Nikotinlutschtabletten und Nikotininhalatoren können die Entzugsescheinungen abgemildert und das Verlangen nach dem Rauchen verringert werden. Die Nikotindosis wird beim Einsatz dieser Hilfsmittel immer weiter reduziert. Diese Ersatzprodukte sind weniger gesundheitsschädlich als das Rauchen, da sie keine krebserregenden Stoffe beinhalten.

Nikotinkaugummis, Nikotinlutschtabletten, der Nikotininhalator und das Nikotinnasenspray helfen Ihnen vor allem dann, wenn Sie im Moment ein starkes Verlangen nach Rauchen verspüren. Ausprobieren können Sie auch Nikotinpflaster, welche bis zu 24 Stunden nach Aufkleben auf die Haut kontinuierlich Nikotin freisetzen und über längere Zeit für einen gleichbleibenden Nikotinspiegel im Körper sorgen. Wird Nikotin nicht wie beim Rauchen über die Lunge aufgenommen, sondern über die Haut oder die Schleimhaut, benötigt dieses länger, bis es über die Blutbahn das Gehirn erreicht und schließlich seine Wirkung im Körper entfaltet. Sind Sie starker Raucher, kombinieren Sie ein Nikotinpflaster mit einem der aufgezählten anderen Ersatzprodukte.
Nach Expertenmeinung wird die Chance erhöht, dass man einen erfolgreichen Rauchverzicht erlangt. Diese Ersatzprodukte können Sie rezeptfrei in der Apotheke erwerben.

Empfohlen wird auch die Kombination mit einer Verhaltenstherapie, um die Chancen eines langfristigen Rauchverzichtes zu erhöhen. Auf Dauer sollten Sie die Hilfsmittel jedoch nicht anwenden, sondern sich Alternativen suchen.

Raucherentwöhnungskurse - Was kann ich mir darunter vorstellen?

In Gruppen- oder Einzelsitzungen beobachten Sie zuerst Ihr Rauchverhalten. Anschließend erstellen Sie mit Therapeuten ein individuelles Raucherentwöhnungs-Programm für Sie selbst. Sie erarbeiten beispielsweise Methoden, wie Sie mit Situationen umgehen, in denen Sie wieder auf das Rauchen zurückgreifen wollen und lernen alternative Verhaltensweisen zum Rauchen kennen. Dieses Verfahren wird Verhaltenstherapie genannt. Unterstützend können Sie auf Beratungsstellen und Internetinformationsseiten zurückgreifen. In Studien konnte bewiesen werden, dass ein Rauchstopp mit den Entwöhnungskursen einfacher ist und dass weniger Menschen nach dieser Therapieform wieder mit dem Rauchen beginnen. Besonders effektiv ist eine Kombination der verhaltenstherapeutischen Maßnahmen mit einer Nikotinersatztherapie.

Bupropion und Vareniclin sind zwei medikamentöse Optionen für die Rauchentwöhnung

Vor einer medikamentösen Therapie muss geklärt werden, ob Sie für diese Therapie überhaupt in Frage kommen und dieser Weg für Sie sinnvoll ist. Auch Vorerkrankungen und Risiken sollten mir Ihrem Arzt genau besprochen werden. Für die Therapie stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Bupropion und Vareniclin.

Bupropion, ein Medikament, welches ursprünglich zur Therapie der Depression eingesetzt wurde, reduziert das Verlangen nach Nikotin und es treten weniger Entzugssymptome auf. Das Medikament wirkt auf Nervenzellen, an welche die Botenstoffe Noradrenalin oder Dopamin binden und hemmt die Wiederaufnahme dieser Botenstoffe. Dadurch wird sozusagen die Nikotinwirkung nachgeahmt, ohne an die Rezeptoren zu binden. Neben den positiven Therapie-Aspekten können jedoch auch Unruhe, Ängste, Schlafstörungen, Mundtrockenheit und Übelkeit auftreten. Nicht einnehmen sollten Sie Bupropion, wenn Sie unter Epilepsie, Leberzirrhose oder einer psychischen Erkrankung mit Wechsel von depressiven und euphorischen Stimmungsphasen (Bipolare Störung). Diese medikamentöse Therapie erfolgt unter ärztlicher Aufsicht mit Beginn eine Woche nach dem Rauchstopp über einen Zeitraum von sieben bis neun Wochen. Empfohlen wird die Kombination mit einer Verhaltenstherapie, um die Chancen eines langfristigen Rauchverzichtes zu erhöhen.

Vareniclin vermindert wie Bupropion die Entzugssymptome und das Verlangen nach Nikotin. Während der medikamentösen Therapie, die über zwölf Wochen erfolgt, können unter anderem Übelkeit, Schwindel, Depressionen und Suizidgedanken auftreten. Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit, Sehstörungen und Herzrhythmusstörungen sind ebenfalls möglich.

Schlusspunkt-Methode - eine häufig eingesetzte Methode

Sie wählen einen festen Tag aus, an dem Sie aufhören zu rauchen. Vor diesem Tag entfernen Sie alle Rauchutensilien aus Ihrer Umgebung. Diese Methode ist vor allem bei Rauchern erfolgreich, die bisher noch keinen Rauchstopp versucht haben.

Weitere Methoden

  • Akupunktur, Hypnosetherapie, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung

    Die Wirksamkeit dieser Methoden wurden bislang in Studien noch nicht vollständig nachgewiesen, jedoch können sie sich positiv auf Ihr Wohlbefinden auswirken und in Kombination mit anderen Methoden äußerst hilfreich sein.

  • E-Zigaretten

    Die Umstellung auf E-Zigaretten kann das Rauchen ersetzen, jedoch ist die wissenschaftliche Datenlage bezüglich Nutzen und Schaden dieses Wechsels nicht ausreichend.

  • Sport

    Ausdauertraining und körperliche Betätigung sind auf jeden Fall hilfreich. In vielfacher Hinsicht. Es hilft ihnen, auf andere Gedanken zu kommen und Studien haben auch gezeigt, dass Bewegung hilft, der Zigarette zu widerstehen. Suchen Sie sich hierfür am besten Gleichgesinnte, um Bewegung zu einem regelmäßigen Ritual werden zu lassen.

Was kann ich noch tun?

Informieren Sie Ihre Familie und Freunde über Ihren Raucherstopp und fragen Sie um Unterstützung. Die Raucherentwöhnung wird Ihnen einfacher fallen, wenn Ihre Mitmenschen das Rauchen in Ihrer Anwesenheit unterlassen, Ihnen keine Zigarette anbieten und Sie stattdessen auf Ihrem Weg motivieren.

Auch wenn der Rauchverzicht nicht gleich beim ersten Mal funktioniert, versuchen Sie es erneut. Viele Raucher benötigen mehrere Anläufe, um Nicht-Raucher zu werden. Stattdessen reflektieren Sie, warum der letzte Versuch nicht gelungen ist, sodass Sie an dieser Stelle ansetzen können oder probieren Sie eine andere Raucherentwöhnungsmethode aus.

Welche unerwünschten Wirkungen können in der Zeit nach dem Rauchstopp auftreten?

In den ersten Tagen bis teilweise Wochen, nachdem Sie aufgehört haben zu rauchen, treten in den meisten Fällen Entzugssymptome auf, wie Angst, depressive Stimmung, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlaflosigkeit. Sie werden häufig den Wunsch empfinden, erneut zu rauchen. Diesem Verlangen sollten Sie gezielt gegensteuern und sich überlegen, was Sie alternativ machen könnten.


In den ersten beiden Jahren nach Ihrem Rauchstopp kommt es häufig zu einer Gewichtzunahme, wenn Sie diesem nicht entgegenwirken. Rauchen wirkt durch Ausschüttung der beiden Botenstoffe des Nervensystems Dopamin und Noradrenalin appetitzügelnd, fördert den Stoffwechsel und steigert den Energieverbrauch. Achten Sie daher besonders auf eine ausgewogene gesunde Ernährung und viel Bewegung.

Positive Auswirkungen nach der Raucherentwöhnung - Diese Auswirkungen hat es auf Ihre Gesundheit!

Folgende Veränderungen können Sie an Ihrem Körper nach dem Rauchstopp bemerken:

  • Blutdruck und Körpertemperatur sinken auf Niveau eines Nichtrauchers (nach 20 Minuten)
  • Geruchs- und Geschmackssinn bessern sich wieder (nach 48 Stunden)
  • Infektionsgefahr nimmt ab, Hustenanfälle verringern sich (nach 1 Monat)
  • Lungenkrebsrisiko sinkt auf die Wahrscheinlichkeit eines Nichtrauchers (nach 10 Jahren)
  • Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt auf die Wahrscheinlichkeit eines Nichtrauchers (nach 15 Jahren)

Unserer Ratgeber aus dem Bereich Prävention

In folgenden Ratgebern stellen wir aktuelle Behandlungsmethoden vor und zeigen Ihnen, welche Krankenhäuser und Experten sich auf Prävention spezialisiert haben.

Digitale Angebote

  • Nichtraucherhelden

    App für Android und iOS

    Diese App-Anwendung bietet Ihnen ein wissenschaftlich fundiertes Rauchstopp-Coaching mit Rückfallprophylaxe, dank der DiGA Zulassung ist auch eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen möglich. Eine hohe Nutzerzufriedenheit sprechen für die Nutzung dieser App als Unterstützung der Raucherentwöhnung.

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