Klinikradar

Digitale Dokumentation in Klinik & Praxis - Was ändert sich?

12.08.2022

Dokumentation ist in der Medizin nicht wegzudenken. Es beginnt oft schon vor dem eigentlichen Kontakt mit der Praxis und zieht sich durch die gesamte Behandlung. Ein wesentlicher Anteil der Arbeitszeit von pflegerischem und ärztlichen Personal wird mit der Dokumentation verbracht, oftmals muss auch eine ähnliche Dokumentation in verschiedenen Systemen durchgeführt werden. Diese Zeit fehlt für die Arbeit am Patienten. Digitale Anwendungen können hier jedoch einige Probleme lösen.

Alexander Hoffmann

COO AmbulApps GmbH

Alexander Hoffmann ist seit vielen Jahren im Gesundheitswesen aktiv und hat dieses aus verschiedenen Perspektiven erlebt. Als Gesellschafter sowie in der Konzerngeschäftsführung hat er die Entwicklung eines der größten Labordienstleisters maßgeblich mitgeprägt. Als Gründer und COO der AmbulApps GmbH greift er nun eine neue große Herausforderung an: die Reduktion der Papierflut in medizinischen Einrichtungen. AmbulApps bietet Einrichtungen die Möglichkeiten, die digitale Anamnese, Aufklärungsbögen, Scoring sowie Befragungen und Vereinbarungen vollständig digital abzubilden.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in Schwung gekommen. Dennoch besteht weiterhin großer Handlungsbedarf. Sie mit langjährigen Erfahrungen im Gesundheitsmarkt haben viele entscheidende Entwicklungen miterlebt. Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Alexander Hoffmann: Wir sehen insbesondere seit dem letzten Jahr ein zunehmendes Interesse an Digitalisierung in jeder Art von Gesundheitseinrichtung. Ein immer stärker werdender Treiber ist der Fachkräftemangel, wodurch ein Druck zu mehr Automation und Effizienz entsteht. Daneben hören wir aber auch, dass es durch den Konkurrenzkampf um Fachpersonal wichtig ist, seine Praxis oder Klinik modern und zukunftsgerichtet auszustatten. Medizinisches Fachpersonal will am und mit dem Patienten arbeiten und sich nicht mit Administration und Bürokratie beschäftigen. Eine Herausforderung ist leider immer noch die Investitionsbereitschaft und im Klinikmarkt die Entscheidungswege. Es wurden durch das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) viele Projekte aufgesetzt, aber die Wirkung werden wir sicher erst in den nächsten 2-3 Jahren sehen.

Bislang ist es in vielen Kliniken und Praxen noch üblich, dass Papier in der Dokumentation dominiert. Was sind die Probleme dabei?

Alexander Hoffmann: Papier ist leider nur analog, hat keine Pflichtfelder und keine Schnittstellen. Daten werden auf Papier oft mehrfach durch die Patienten oder das medizinische Personal erfasst, danach werden die Formulare meist gescannt und dann händisch der Patientenakte zugeordnet. Wichtige Angaben auf solchen Formularen müssen ebenfalls von Hand in das Patientenmanagementsystem eingetragen werden. Am Ende des Prozesses landet dann das Papierformular in einem Ordner oder im Schredder. Dieser Prozess ist natürlich alles andere als effizient und sicher.

Kann Digitalisierung aus ihrer Sicht die Abläufe wirklich verbessern oder ist es nur "nice-to-have". Was ist Ihre Meinung dazu?

Alexander Hoffmann: Auf jeden Fall verbessert Digitalisierung die Abläufe. Daten können sowohl vom Patienten oder auch vom Arzt erfasst werden. Via Schnittstelle gelangen diese Daten dann strukturiert direkt in die Patientenakte. Es entstehen parallel rechtssicher signierte Dokumente, die ebenfalls automatisch in die Akte oder in Dokumentenmanagementsysteme übertragen werden. Zukünftig werden auf diesem Weg auch elektronische Patientenakten (ePA’s) versorgt.

Aus unserer Sicht ist digitales, papierloses Arbeiten definitiv kein „nice to have“ mehr, sondern unbedingt erforderlich.

Was verändert sich hierbei für die Patienten?

Alexander Hoffmann: Die Patienten werden zukünftig viel mehr Informationen in direktem Zugriff haben, die sie dann mit anderen teilen können, etwa vom Hausarzt -> Facharzt -> Klinik -> Reha -> Hausarzt. Ein sehr nützlicher Nebeneffekt wird eine deutliche Reduktion von Doppeldiagnostik sein. Das betrifft zum Beispiel Diagnostik wie Labor, Röntgen, Ultraschall. Für den Patienten reduziert sich somit die Belastung.

Kliniken klagen, jetzt noch verstärkt durch die Corona-Pandemie unter einem starken Personalmangel. Was bewirkt hier aus ihrer Sicht die Digitalisierung?

Alexander Hoffmann: Digitalisierung schafft Effizienz, erhöht Geschwindigkeit und verringert manuellen Aufwand deutlich. Unsere Kunden berichten uns von 25-30% Zeitersparnis und zufriedenere Mitarbeitende. Jeder im Team kann sich viel mehr und besser auf Medizin und Patienten konzentrieren. Das wird den Mangel nicht vollständig kompensieren, aber es wird dabei helfen Personal zu finden. Fachpersonal arbeitet lieber in einer modernen Klinik oder Praxis.