Klinikradar

Da-Vinci-Operationen bei Krebserkrankungen - Im Gespräch mit Prof. Höppner

12.08.2022

Da-Vinci-Operationen bei Krebserkrankungen - Im Gespräch mit Prof. Höppner

Prof. Dr. Jens Höppner

Stellvertretender Direktor der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Empfehlungen zur modernsten Behandlung von Krebserkrankungen kann Prof. Dr. Jens Höppner nicht nur aus der Sicht des Chirurgen, sondern auch als Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen und als langjährigeres Direktoriumsmitglied eines deutschen Spitzenkrebszentrums geben. Prof. Höppner zählt zu den besonders erfahrensten Operateuren am Da-Vinci-Operationssystem für Tumorerkrankungen der Speiseröhre und der Bauchorgane. Die moderne roboterassistierte Chirurgie wird zunehmend in der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt und kann die Ergebnisse der Operationen verbessern. Am Exzellenzzentrum für minimal-invasive Chirurgie des UKSH in Lübeck werden spezialisiert robotische Operationstechniken für Tumoren der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse und der Leber weiterentwickelt und wissenschaftlich untersucht. Im Gespräch mit Klinikradar erklärt Prof. Höppner, was genau diese Da-Vinci Technologie auszeichnet und wie die hochpräzise Robotertechnik die Prognose in der Behandlung von Tumorerkrankungen verbessern kann.

Was genau zeichnet die DaVinci Roboter Chirurgie im Vergleich zu den herkömmlichen Operationsmethoden aus?

Prof. Dr. Jens Höppner : Wie bei der traditionellen Schlüssellochchirurgie erfolgt der Zugang zum Bauchraum des Patienten über nur wenige Millimeter messende Schnitte. Durch diese Schnitte werden die Kamera und die Instrumente des Da Vinci Operationsroboters in die Bauchhöhle des Patienten eingebracht. Der Chirurg bedient die robotischen Instrumente nicht direkt vom OP-Tisch aus, sondern sitzt an einer Konsole vor der er sowohl die Kamera als auch die Instrumente bedient. Die die Kamera des Operationsroboters ermöglicht durch Ihre mehrfache Vergrößerung und hohe 3D-Bildqualität einen genauen Blick auf das Operationsgebiet. Die Instrumente des Operationsroboters werden durch den Chirurgen Millimeter genau gesteuert und eingesetzt. Die Instrumente haben Gelenke mit denen Sie ähnlich wie ein Handgelenk in alle Richtungen bewegt werden und können präziser und sicherer gesteuert werden als alle anderen aktuell verfügbaren Operationsinstrumente. Der Chirurg hat bei dem Blick in das Sichtfeld der Konsole ein dreidimensionales Bild des Patienteninneren. Durch die so optimierte Sicht und die Genauigkeit der Instrumentenkontrolle wird mit dem Da Vinci Robotersystem eine bisher nicht mögliche Präzision und Genauigkeit bei der Operation erreicht.

Warum setzen Sie die roboterassistierte Chirurgie insbesondere bei Behandlungen von Tumorerkrankungen ein?

Prof. Dr. Jens Höppner : Operationen bei Krebserkrankungen des Magen-Darmtraktes sind oft sehr komplexe Operationen, die zum Ziel haben den Tumor komplett aus dem Patienten zu entfernen. Die robotische Technik ermöglicht durch die optimale dreidimensionale Sicht eine exakte Begrenzung der Ausdehnung des Tumors. Ebenso ermöglicht die DaVinci Technik eine sehr genaue Präparation an wichtigen Blutgefäßen im Bauchraum die auf keinen Fall verletzt werden dürfen. Der Operationsroboter ist daher ideal für die Durchführung radikaler und sicherer Tumoroperationen bei Tumoren der Speiseröhre, des Magens, der Bauchspeicheldrüse, der Leber und des Darms.

Welche Vorteile haben die Patienten durch Operationen bei denen ein Operationsroboter eingesetzt wird?

Prof. Dr. Jens Höppner : Der Operationsroboter wird nur bei Schlüssellochoperationen eingesetzt. Diese sind besonders schonend und verringern Schmerzen, Blutverlust bei Operationen und beschleunigen die Erholung der Patienten nach Operationen. Durch die zusätzliche Sicherheit der Robotertechnik mit einer verbesserten Sicht für den Chirurgen auf das Operationsgebiet und mit einer feineren Kontrolle der Operationsinstrumente können zudem anatomisch sehr exakte Präparationsschritte erfolgen und Begleitverletzungen in der Umgebung des Tumors weitgehend vermieden werden. Hierdurch werden Komplikationen einer Operation vermieden und die Erholungszeit des Patienten nach der Operation verkürzt sich.

Gibt es weitere neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Tumorchirurgie, die schon Eingang in die Patientenbehandlung finden?

Prof. Dr. Jens Höppner : Die Tumore des Magen-Darmtrakts werden zunehmend nicht nur chirurgisch, sondern auch in Kombination mit einer Chemotherapie, einer Immuntherapie oder einer Strahlentherapie behandelt. Durch die Kombination dieser unterschiedlichen Methoden können die Heilungsaussichten der Tumorerkrankungen deutlich verbessert werden. Die Therapie selber dauert zwar oft etwas länger aber dafür können auch die Heilungschancen der Krebserkrankung insgesamt sehr deutlich gesteigert werden. Bei einigen Tumoren ist es weiterhin möglich das nach einer chemotherapeutischen Vorbehandlung - im Falle eines guten Ansprechens auf die Chemotherapie - die direkt folgende geplante Operation in einigen Fällen vermieden werden kann und sich lediglich eine engmaschige Nachsorge anschließt. Eine Operation muss in diesen Fällen nur erfolgen, wenn der Tumor in seinem Ursprungsgebiet doch wiederauftaucht. Bei einigen Patienten kann so die Operation komplett vermieden werden. Aktuell ist dieses Vorgehen bei Tumoren des Enddarms schon möglich während bei Krebserkrankungen der Speiseröhre noch wichtige Studien dazu laufen. Die Gruppe dieser Patienten wird in der Zukunft immer größer werden, da die Chemotherapie, die Strahlentherapie, die Immuntherapie und deren Kombination eine immer größere Wirksamkeit aufweisen.