Klinikradar

Handchirurgie

Dr. med. Tobias Bobinger

Dieser Ratgeber erklärt, wie die Hand aufgebaut ist, welche Ursachen eine Verletzung im Bereich der Hand haben kann und bei welchen Erkrankungen Handchirurgie nötig ist. Sie erfahren, welche Faktoren für die Auswahl der Klinik wichtig sind und erhalten einen Überblick über neue Behandlungsmethoden in der Handchirurgie und aktuelle Studien. Außerdem erfahren Sie hier, welche Spezialisten und Kliniken empfehlenswert sind und besonders viel Erfahrung mit der Handchirurgie haben.

Die Hand – ein Wunderwerk der menschlichen Anatomie

Der Aufbau unserer Hand ist ein kleines Wunderwerk: 27 einzelne Handknochen sind in diesem kleinen Abschnitt verbaut. Zusätzlich sind mehr als 33 Muskeln für die Steuerung der einzelnen Knochen zuständig. Die Steuerung der Muskeln und die Übermittlung der Tastreize erfolgt über drei große Nerven (Medianusnerv, Radialisnerv, Ulnarisnerv), die sich wiederum in einzelne kleine Äste aufgliedern und unsere gesamte Hand versorgen. Kurz zusammengefasst: Die Nerven setzen die Bewegungssignale aus dem Kopf auf die Arbeit der Muskeln um und die Muskeln bewegen hierbei im dazugehörigen Takt die Knochen.

Dieser Aufbau ermöglicht uns erst, dass wir mit den Händen beeindruckende Tätigkeiten vollbringen können. Wir können kraftvoll zugreifen, aber auch präzise und feine Tätigkeiten ausführen. Ein ausgeprägter Tastsinn versetzt uns in die Lage, auch kleine Gegenstände zu ertasten. Eine sofortige Rückmeldung ermöglicht uns komplizierte Tätigkeiten – wie etwa das Spielen von Instrumenten oder das koordinierte Führen eines Schlägers beim Tennisspiel. Diese Eigenschaften unterscheiden uns von vielen anderen Lebewesen. Eine komplexe Steuerung bedeutet allerdings auch, dass eine kleine Schädigung von außen oder vom Körper selbst schnell eine große Beeinträchtigung hervorrufen kann.

Erkrankungen der Hand – ein häufiges Problem mit sehr unterschiedlichen Ursachen

Kleine Veränderungen oder Störungen bringen das koordinierte Zusammenspiel in der Hand schnell aus dem Takt. Bei einem akuten Geschehen ist oft eine Verletzung eines Handknochens (z. B. Fraktur) die Ursache, gegebenenfalls kann auch ein Muskel oder Sehne in Mitleidenschaft gezogen werden. Konventionelle Röntgenbilder sowie bei Unsicherheit MRT-Aufnahmen (Magnetresonanztomographie) ergänzen die Untersuchung.

Oft kann allerdings kein akutes Ereignis gefunden werden und die Schmerzen schleichen sich über die Zeit (chronisch) ein. Weitere häufige Beschwerden im Bereich der Hand sind z. B. Einengungen der Nerven an bestimmten Engstellen (sogenannte Nervenengpässe) oder auch Auswirkungen von rheumatologischen Erkrankungen. Neben Schmerzen und Bewegungseinschränkung wird oft eine Überwärmung im Bereich der Hand bemerkt. Eine gründliche Diagnostik – nicht nur der Hände, sondern des kompletten Körpers – liefert dann weitere Hinweise und führt zur richtigen Therapie. Häufig ist für eine exakte Diagnose der Kontakt zu anderen medizinischen Fachabteilungen notwendig, sei es zur Nervenmessung in der Neurologie oder zur genauen Befundung einer MRT-Aufnahme in der Radiologie.

Folgende Erkrankung im Bereich der Hand sind häufig anzutreffen:

  • Karpaltunnelsyndrom

    Das Karpaltunnelsyndrom ist eine verbreite Erkrankung und kann unterschiedlich ablaufen. Da die Symptome sehr vielfältig sind, wird das Syndrom manchmal erst spät erkannt. Zu den Symptomen gehören: Missempfindungen (sogenannte Parästhesien) oder Schmerzen im Bereich der Hand, Schmerzen im Bereich des Armes, Taubheit im Bereich der Hand bis hin zu Bewegungseinschränkungen. Eine Ursache für diese Erkrankung liegt im Verlauf eines Nervens: dem sogenannten Nervus medianus. Dieser läuft den Arm entlang und dann unter einem Querband verteilt direkt zu der Handinnenfläche. Und genau an dieser Stelle, dem Durchtritt unter dem Querband kann der Nerv eingeengt werden und Probleme bereiten. Erkannt wird das Karpaltunnelsyndrom durch eine genaue Untersuchung und Nervenmessungen. Diese führt ein Neurologe durch. Zunächst kann die Therapie mit speziellen Schienen, Lagerung- und Schonung sowie Kortisontherapie versucht werden. Bringt dies keinen Erfolg, wird das Band chirurgisch durchtrennt.

  • Skidaumen

    Der Skidaumen geht oft auf eine akute Verletzung zurück. Stürzt man auf einen abgespreizten Daumen, kann ein Band am Grundgelenk des Daumes reißen. Häufig geschieht dieser Verletzungsmechanismus beim Skifahren – daher auch der Name. Für die Diagnose werden Röntgenbilder angefertigt, damit weitere Verletzungen ausgeschlossen werden können. Bei einem frischen Riss kann mittels eines speziellen Daumengipses, also einer Stilllegung des Daumens oft eine Besserung binnen einiger Wochen erreicht werden. Bringt der Daumengipses keine Verbesserung, liegt vermutlich ein spezieller Riss vor oder es besteht eine deutliche Instabilität im Daumen. In diesem Fal muss über eine Operation nachgedacht werden. Ziel ist hier, eine chronische Instabilität im Daumen zu vermeiden.

  • Dupuytren-Kontraktur

    Die Dupuytren-Kontraktur ist ebenfalls häufig. Es handelt sich um eine Bindegewebserkrankung, die sehr langsam fortschreitet. Zunächst fällt eine Knotenbildung in der Hohlhand auf. Am weiteren Verlauf bemerken Sie einen derben Strang entlang der Finger. Probleme bestehen bei der Streckung in den Gelenken der Finger. Dadurch besteht eine deutliche Einschränkung bei Alltagstätigkeiten. Zu Beginn sind Kortisongaben hilfreich, bei einer stärkeren Einschränkung erfolgt gegebenenfalls eine chirurgische Behandlung.

  • Arthrose im Bereich der Hand

    Arthrose im Bereich der Hand ist häufig und tritt hauptsächlich im Bereich des Daumensattels, des Handgelenks sowie der Fingermittelgelenk auf. Durch Belastung entsteht über die Zeit ein Knorpelabrieb, der zu deutlichen Schmerzen führt. Zu Beginn können Schienen und schmerzhemmende Medikamente eine Abhilfe bringen. Werden die Schmerzen zu stark, sind häufig eine Versteifung und der Einbau einer Prothese der nächste Schritt.

  • Frakturen (Brüche) im Bereich der Hand

    Bei Tätigkeiten wie Skifahren, Fahrradfahren oder im Haushalt kann es zu Verletzungen im Bereich der Hand kommen. Oft sind es Schmerzen und Schwellung, die gleich den Weg zur Diagnose zeigen. Typisch sind Brüche im Bereich der Speiche (Radiusfraktur), des Kahnbeins (Skaphoidfraktur), der Mittelhandknochen (Metacarpale) oder des Fingermittelglied. Zur genauen Diagnose wird ein Röntgenbild angefertigt. Kann hierdurch keine genaue Diagnose gestellt werden, wird gegebenenfalls zusätzlich ein Ultraschall oder eine Kernspintomographie (MRT) angefertigt. Je nach Bruch wird konservativ (das heißt Schienung und Schonung) oder operativ behandelt.

Häufige Fragen

  • Wie finde ich für mich den richtigen Spezialisten für Handchirurgie?

    Die Auswahl der richtigen Klinik beziehungsweise eines Spezialisten für eine Handchirurgie-Operation ist keine einfache Entscheidung. Wichtig für Sie als Patient sind die Erfahrung der Klinik in dem jeweiligen Eingriff, besondere Ausstattungsmerkmale (z. B. MRT-Untersuchung direkt vor Ort, Kooperation mit der Abteilung für Neurologie), besondere Behandlungskonzepte (z. B. Einbindung von Ergo- und Physiotherapeuten vor und nach der Operation) sowie die Entfernung von Ihrem Wohnort. Klinikradar erfasst alle für Sie relevanten Faktoren und ermöglicht Ihnen dadurch, Entscheidungen über Ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen.

  • Was sind besondere Risiken bei Operationen im Bereich der Hand?

    Viele Knochen, Muskeln sowie kleine Nerven mit vielen Aufzweigungen machen Operationen im Bereich der Hand anspruchsvoll. Anatomische Unterschiede erhöhen zusätzlich die Schwierigkeit. Kleine Schädigungen können hier große Auswirkungen auf den Gebrauch der Hand haben, wie etwa der Ausfall von einzelnen Tastempfindungen oder die Bewegungen einzelner Finger. Aus diesem Grund wird die Operation von einem Spezialisten ausgeführt, der in diesem Bereich erfahren ist. Eine große Sorgfalt ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung eines jeden Eingriffes in der Hand. Dabei wird das Risiko der Operation und Ihres individuellen Gesundheitszustandes (z. B. Einnahme einer Blutverdünnung, weitere Vorerkrankungen) abgewogen und mit Ihnen besprochen, um die für Sie passende Klinik zu finden.

  • Welcher Arzt ist für die Hand zuständig?

    Für den Bereich der Hand sind verschiedene Spezialisten zuständig. Handchirurgen besitzen besondere Erfahrung bei Erkrankungen und Verletzungen der Hand. Sie haben oft einen Facharzttitel für Chirurgie, plastische Chirurgie oder auch Orthopädie erworben. Muss im Vorfeld zur Eingrenzung der Erkrankung eine besondere Diagnostik erfolgen (z. B. Messung der Nerven), werden Sie zu einem Facharzt für Neurologie überwiesen.

Unserer Ratgeber aus dem Bereich Chirurgie

In folgenden Ratgebern stellen wir aktuelle Behandlungsmethoden vor und zeigen Ihnen, welche Krankenhäuser und Experten sich auf Chirurgie spezialisiert haben.

Kliniken für Handchirurgie

In Deutschland gibt es 987 Kliniken für Handchirurgie. Klinikradar hat die neusten offiziellen Qualitätsdaten aller Krankenhäuser ausgewertet und Kliniken mit besonders hoher Expertise bei der Behandlung der Hand ermittelt. Vergleichen Sie Kennzahlen und Behandlungsangebot, um die für Sie beste Klinik für Handchirurgie zu finden.

  1. Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

    Viele Fälle im Bereich Handchirurgie
    • Handchirurgie
      3.491 Fälle
    • Großes Krankenhaus
      566 Betten
    Fachabteilung für Handchirurgie:
  2. Klinik für Handchirurgie an der Herz- und Gefäß-Klinik

    Viele Fälle im Bereich Handchirurgie
    • Handchirurgie
      2.711 Fälle
    • Kleines Krankenhaus
      70 Betten
    Fachabteilung für Handchirurgie:
  3. St. Josef-Krankenhaus Kupferdreh

    Viele Fälle im Bereich Handchirurgie
    • Handchirurgie
      1.924 Fälle
    • Mittelgroßes Krankenhaus
      265 Betten
    Fachabteilung für Handchirurgie:
Alle Kliniken für Handchirurgie

Kliniken für Handchirurgie nach Bundesland

Kliniken für Handchirurgie in deutschen Großstädten

Kliniklisten: Behandlung im Bereich Chirurgie

Mit unserer Kliniksuche finden Sie auch in anderen Bereichen des Fachgebiets Chirurgie empfehlenswerte Spezialkliniken:

Studien mit Fokus auf Handchirurgie

In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Therapieansätze im Bereich der Handchirurgie entwickelt. Dem breiten Einsatz gehen immer sehr genau durchgeführte klinischen Studien voraus. Diese werden an speziellen Studienzentren mit hoher Erfahrung und Expertise und nach einer genauen Patientenauswahl getroffen. Hier stellen wir Ihnen einen Auszug aktueller Studien vor, die zum Thema Handchirurgie durchgeführt werden.

  • Therapie des Karpaltunnelsyndroms

    Wissenschaftliche Studie über die Wirkung einer Therapie Manschette, für die bisher nur eine Patientenbefragung vorliegt und die als Tuttlinger KTS-Manschette verbessert wurde. Die Tuttlinger KTS-Manschette erreicht eine signifikante klinische Wirkung, idealerweise auch neurologisch messbar, und kann in bestimmten Konstellationen eine gute alternative Therapieoption für KTS ohne Operation darstellen.

    Details zur Studie

    Voraussetzungen zur Studienteilnahme
    • diagnostiziertes Karpaltunnelsyndrom
    Studienteilnehmer gesucht.
    Zur Website

    Kontakt für Studienteilnehmer

    Gesundheitszentrum Spaichingen im Klinikum Landkreis Tuttlingen

    Frau Dr. Caterina Poma-Schmidt
    Robert-Koch-Straße 31
    78549 Spaichingen

  • Postoperative Ruhigstellung durch Handgelenksorthese nach Osteosynthese bei distaler Radiusfraktur

    Orthogeriatrische Patienten werden aufgrund einer Fraktur des Handgelenks (der Speiche) mittels Platte und Schrauben operativ versorgt.
    Häufig wird Patienten nach der Operation eine Handgelenksschiene angelegt, um eine Ruhigstellung zu erzielen.
    Die Handgelenksschiene bietet den Patienten teils ein subjektives Stabilitätsgefühl, verlängert allerdings die Ruhigstellung nach der Operation und kann somit zu einer verzögerten Wiederherstellung der Beweglichkeit und der Funktion im Handgelenk führen. Der Nutzen der Schiene ist nicht erwiesen und kann möglicherweise somit auch Nachteile mit sich bringen. Das Vorgehen auch im internationalen Vergleich ist uneinheitlich. Einige Operateure nutzen daher postoperativ keine Schiene und lassen die Patienten direkt nach der Operation frei bewegen. Das Hauptargument ist hierbei die schnellstmögliche Reintegration in den Alltag bei besserer Funktion des Handgelenks ohne störende Schiene. Im Rahmen der Studie soll herausgefunden werden, welche Auswirkungen diese Handgelenksschiene nach der Operation auf die Knochenheilung und das postoperative Ergebnis (Beweglichkeit, Funktion des Handgelenks) hat. Ein weiteres Ziel ist es herauszufinden, welche Patienten möglicherweise von dieser Nachbehandlung profitieren und bei welchen Patienten man darauf verzichten kann.
    Nach dem Zufallsprinzip (Randomisierung) wird nach der Operation am Handgelenk diese Schiene für 4 Wochen verschrieben oder Sie werden ohne Schiene nachbehandelt. Anschließend werden die Patienten zu den regulären Verlaufskontrollen einbestellt, die Handgelenke untersucht und durch Röntgenbilder kontrolliert. Die Verlaufskontrollen sind Standardtermine und die Studie verursacht somit keine zusätzlichen Termine. Im Rahmen der Verlaufskontrollen werden zudem Fragebögen zur Funktion des Handgelenks und erhoben. Nachuntersuchungstermine sind nach 14 Tagen, 6 Wochen, sowie nach 3, 6 und 12 Monaten nach der Operation.
    Die Handgelenksschiene bietet den Patienten meist ein subjektives Stabilitätsgefühl, verlängert allerdings die Ruhigstellung nach der Operation und kann somit zu einer verzögerten Wiederherstellung der Beweglichkeit im Handgelenk führen.

    Details zur Studie

    Voraussetzungen zur Studienteilnahme
    Studienteilnehmer gesucht.
    Zur Website

    Kontakt für Studienteilnehmer

    Klinik für Allgemeine, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Klinikum der Universität München

    Herr PD Dr. med. Christian Zeckey
    Marchioninistr. 15
    81377 München

Bücher über Handchirurgie