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Geriatrie

Geriatrie, auch Altersmedizin genannt, ist die Lehre von der Gesundheit und den Besonderheiten von Erkrankungen beim alternden Menschen. Erkrankungen äußern sich beim älteren Menschen oftmals mit anderen Symptomen, Medikamente können unterschiedlich wirken und müssen anders dosiert werden. Bei der Behandlung ist daher ein ganzheitlichen Ansatz wichtig. Dazu werden verschiedene Berufsgruppen in die Behandlung einbezogen. Dieser Artikel liefert einen Überblick über die Besonderheiten der Behandlung beim älteren Menschen.

Dieser Ratgeber auf einen Blick:

  1. Definition
  2. Diagnostik
  3. Therapie
  4. Kliniken
  5. Tageskliniken

Was ist Geriatrie?

In der Altersmedizin versucht man, Krankheiten zu verhindern, indem man frühzeitig Risikofaktoren erkennt und Maßnahmen zur Vorbeugung trifft. Außerdem werden Sie auch nach der medizinischen Behandlung weiterhin betreut, Ihre Selbstständigkeit gefördert und damit wieder in das Leben integriert. Ein besonderer Wert wird auf Ihre körperlichen, geistigen, funktionalen und sozialen Aspekte gelegt. Es wird darauf geachtet, dass Ihre Gesundheit als Ganzes betrachtet und auch alle Ihre Körperfunktionen mit möglichen Einschränkungen einbezogen werden.

Um als geriatrischer Patient nach der Definition zu gelten, müssen Sie entweder über 70 Jahre alt sein und zusätzlich unter mehreren alterstypischen Erkrankungen leiden oder älter als 80 Jahre sein, eine abnehmende Selbstständigkeit im Alltag aufweisen und aufgrund Ihrer Funktionseinschränkungen anfällig für Krankheiten oder Problemverhalten sein.

Welche körperlichen Veränderungen treten gehäuft im Alter auf?

Im Alter kommt es zur sogenannten Altersschwäche, auch Frailty-Syndrom genannt. Darunter zählen folgende Kriterien:

  • Unfreiwilliger Gewichtsverlust von über 5% in sechs Monaten oder über 10% in einem Jahr
  • Abnahme der Körperkraft
  • Leichte Erschöpfbarkeit
  • Reduzierte Ganggeschwindigkeit
  • Reduzierte allgemeine Aktivität


Die altersassoziierten Veränderungen im Körper zeigen sich mitunter in nachfolgenden medizinischen Auffälligkeiten:

  • Abnahme der Muskel- und Knochenmasse und damit ein erhöhtes Frakturrisiko
  • Erhöhtes Krebsrisiko
  • Erhöhtes Diabetesrisiko
  • Verringerte Spracherkennungsfähigkeit
  • Geschmacksverlust
  • Altersweitsichtigkeit, Blendung
  • Herzschwäche
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Erhöhte Anfälligkeit für Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Erhöhte Anfälligkeit für Bluthochdruck (Hypertonie)


Häufige alterstypische Beschwerden werden auch unter den geriatrischen I’s, den Anfangsbuchstaben der Fachbegriffe, zusammengefasst. Die Hauptfaktoren sind die fehlende Kontrolle über den Harn- und Stuhlabgang (Inkontinenz), der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit (Intellektueller Verlust), die Muskelschwäche mit Schwindel und Hör- beziehungsweise Sehschwierigkeiten (Instabilität) und die stark eingeschränkte oder aufgehobene Beweglichkeit (Immobilität).

Zusätzliche Probleme, die im Alter häufig auftreten, sind:

  • Appetitlosigkeit (Inappetenz)
  • Schlafstörungen (Insomnie)
  • Infektanfälligkeit
  • Impotenz
  • Einsamkeit (Isolation)
  • Armut (Impecunity)

Zusätzlich sind oft noch folgende Probleme im Alter zu beachten:

  • Fehl- und Mangelernährung (Malnutrition)
  • Schluckstörung (Dysphagie)
  • Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
  • Chronische Schmerzen
  • Kommunikationsstörungen
  • Mehrfachmedikation (Polymedikation)


Welche Erkrankungen treten häufig im Alter auf?

Meist bestehen im Alter mehrere Erkrankungen gleichzeitig (Multimorbidität). Dabei können sich körperliche und psychische Erkrankungen gegenseitig verstärken. Manche Krankheiten äußern sich ohne Symptome oder mit anderen Symptomen, als für die Erkrankung üblich sind oder kommen aufgrund der Altersschwäche gar nicht zum Vorschein.

Zu den häufigen Erkrankungen im Alter zählen:

  • Schlaganfall
  • Arterienverschluss der Beine (Peripher arterielle Verschlusskrankheit)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Knochenbrüche (Frakturen)
  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Morbus Parkinson
  • Depression
  • Suizidalität
  • Demenz

Welche Aspekte müssen bei der Diagnostik im Alter beachtet werden?

Mit dem sogenannten geriatrischen Assessment versucht man neben Ihrem medizinischen Problem, Ihre psychischen und funktionellen Probleme sowie Ihre vorhandenen Ressourcen festzustellen, um einen für Sie individuellen Therapieplan erstellen und Ihnen eine prognostische Aussage geben zu können. Unter anderem werden Ihre Selbstversorgungsfähigkeit, Ihre Gedächtnisleistung, Ihr Schmerzempfinden und Ihre Mobilität betrachtet. Verschiedenste Scores und Skalen helfen bei der Bewertung.

  • Timed up and go

    Sie sitzen anfangs auf einem Stuhl, stehen auf, gehen drei Meter, drehen um und gehen anschließend wieder zurück zum Stuhl, auf welchen Sie sich erneut hinsetzen. Die Zeit, welche Sie für diese Bewegungsabfolge benötigen, gibt Aufschluss über Ihre Mobilität.

  • Barthel-Index

    Es wird bewertet, wie gut Sie selbstständig Basisaktivitäten des täglichen Lebens, wie beispielsweise Treppensteigen, An- und Auskleiden oder Essen, bewältigen können.

  • Tinetti-Test

    Anhand der Testung von Aufstehen und Hinsetzen, Stehen und Gehen, Balance und Drehen auf der Stelle wird das Sturzrisiko evaluiert.

  • Handkraftmessung

    Sie drücken einen Gummiball zusammen, welcher an einem Manometer angeschlossen ist. Ist Ihre Handgriffstärke reduziert, ist das ein Anzeichen für eine verminderte Muskelkraft und geht mit einem erhöhten Sturzrisiko einher.

  • Geriatrische Depressionsskala

    Anhand von Fragebögen wird auf Depressivität geprüft.

  • Uhrentest

    Auf einem Blatt Papier müssen Sie in einem vorgezeichneten Kreis die fehlenden Ziffern einer Uhr und anschließend eine vorgegebene Uhrzeit einzeichnen.

  • Mini-Mental-State Examination

    Mithilfe eines Frage- und Aufgabebogens wird Ihre kognitive Leistungsfähigkeit, unter anderem Orientierung, Merkfähigkeit, Sprach- und Textverständnis, Kopfrechnen und Handlungsfolgen, geprüft.

Neben diesen Tests kommen typischerweise bei der Diagnostik noch hinzu:

  1. Langzeit-Blutdruckmessung (LZ-RR): Überwachung des Blutdrucks über einen längeren Zeitraum (meist 24 Stunden) in einem 15- bis 30-minütigem Intervall
  2. Elektrokardiogramm (EKG): Untersuchung der elektrischen Aktivität Ihres Herzens
  3. Langzeit-Elektrokardiogramm (LZ-EKG): Untersuchung der elektrischen Aktivität Ihres Herzens über einen längeren Zeitraum (meist 24 Stunden) unter Alltagsbedingungen
  4. Ultraschall (Sonographie)

Abhängig von Ihren Beschwerden können ergänzende Untersuchungen, wie beispielsweise bildgebende Verfahren oder Lungenfunktionsuntersuchungen, angeschlossen werden. Mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Vorgeschichte und Ihren Lebensstil (Anamnese), mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung und mit Labortests können Störungen früh diagnostiziert und meist effizienter behandelt werden. Das Ziel ist, das Behandlungsprogramm mithilfe der verschiedenen Diagnosemöglichkeiten an Ihre Bedürfnisse und Ihre Leistungsfähigkeiten anzupassen.

Welche Aspekte sollten in der Therapie im Alter Berücksichtigung finden?

Zum einen ist es wichtig, dem Alter entsprechende, realistische Ziele zu setzen und regelmäßige Verlaufskontrollen durchzuführen, um gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Zum anderen ist diejenige Therapie zu wählen, welche die Lebensqualität und die Selbstständigkeit verbessert. Des Weiteren sollen Krankenhausaufenthalte vermieden werden. Dabei kommt der aktivierenden Pflege eine große Bedeutung zu, welche durch Hilfe zur Selbsthilfe Ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit fördert.

Eine interprofessionelle Behandlung ist oft zielführend

Außerdem ist auf eine interprofessionelle Behandlung zu achten, bei welcher die Ärzte und die Pflegefachkräfte unter anderem mit Fachkräften folgender Berufsgruppen zusammenarbeiten:

Physiotherapeuten: Physiotherapeuten arbeiten unter anderem mit Krankengymnastik, Elektro- und Ultraschalltherapie und Manueller Lymphdrainage, um Ihre Beschwerden, Funktions- und Aktivitätseinschränkungen zu therapieren.

Ergotherapeuten: Diese führen unter anderem alltagsorientiertes Training und Hilfsmittelberatung durch, um Ihnen eine angemessene selbstständige Ausführung alltäglicher Handlungen und damit die Teilhabe am Alltag zu ermöglichen.

Psychotherapeuten: Psychotherapeuten helfen Ihnen, Ihre Krankheit zu verarbeiten und Ihre eigenen Ressourcen zu stärken.

Sozialdienst: Der Sozialdienst hilft Ihnen, Ihre Betreuung und Ihre Ansprüche nach dem Krankenhausaufenthalt oder nach der Rehabilitation sicherzustellen.

Ernährungstherapeuten: Sie bekommen von den Fachkräften eine Beratung, mit welcher Ernährungsform Sie ausreichend Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente zu sich nehmen und einen optimalen Ernährungszustand erreichen.

Logopäden: Diese versuchen bei einer Sprach-, Sprech-, Lese- oder Schreibbehinderung Ihre Kommunikationsfähigkeit wiederherzustellen.

Eine regelmäßige körperliche Aktivität ist eine gute Prävention

Auch auf regelmäßige körperliche Aktivität sollten Sie achten, denn diese verschafft Ihnen viele Vorteile, wie beispielsweise die Prävention und die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, eine Stärkung Ihrer Muskelkraft und ein verringertes Sturzrisiko. Bevor Sie mit einem Trainingsprogramm beginnen, sollten Sie an einem Screening-Programm teilnehmen, um gegebenenfalls die Aktivitäten anzupassen. Teilweise ist eine medizinische Überwachung während des Sports angebracht. In Ihrem Training können Sie, abhängig von Ihren Beschwerden und Ihrem Fitness-Level, Übungen zu Ausdauer, Kräftigung, Beweglichkeit und Gleichgewicht integrieren. Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt, wenn Sie Medikamente einnehmen. Diese müssen eventuell abgesetzt beziehungsweise in der Dosis reduziert werden oder Sie müssen für das Training bestimmte Vorkehrungen treffen, beispielsweise ausreichend trinken, um einem starken Flüssigkeitsverlust vorzubeugen.

Lassen Sie Ihre Medikamentenliste bei der Einnahme von vielen Medikamenten regelmäßig überprüfen

Die Mehrfachmedikation ist ein großes Thema bei geriatrischen Patienten. Über ein Drittel aller über 70-Jährigen Menschen nehmen pro Tag fünf bis acht Arzneimittel ein. Zwei bis zwölf Prozent aller Krankenhauseinweisungen sind auf unerwünschte Arzneimittelreaktionen zurückzuführen.

Daher sollte vor einer Verordnung eines neuen Medikamentes unbedingt die bestehende Medikation überprüft werden. Bringen Sie dazu am besten Ihren Medikamentenplan oder Ihre gesamten Medikamente mit und informieren Sie den Arzt auch über Nahrungsergänzungsmittel oder Heilkrautpräparate, welche Sie einnehmen. Generell sollte ein Medikament am Anfang in der niedrigsten Dosis verordnet und dann langsam eine Dosissteigerung vorgenommen werden. Ein gleichzeitiger Therapiebeginn mit verschiedenen Medikamenten sollte vermieden werden.

Im Alter sind verschiedene Organfunktionen verändert, Arzneimittel werden anders im Körper verstoffwechselt und wirken sich anders auf den Körper aus. Dies muss bei der Medikamentenverordnung bedacht werden, um unter anderem eine Über- oder Unterdosierung zu vermeiden. Es gibt auch bestimmte Listen, die vorgeben, welche Medikamente beziehungsweise welche Medikamenten-Kombinationen ab einem bestimmten Alter nicht mehr gegeben werden sollen.

Zur Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, also ungewollten, unangenehmen oder gefährlichen Wirkungen beziehungsweise Nebenwirkungen von Medikamenten, sind mehrere Faktoren zu bedenken:

  1. Möglichst wenige Medikamente
  2. Medikamente vermeiden, die stark mit anderen Medikamenten interagieren können
  3. Mindestens Dosisreduktion, wenn nicht Vermeidung von Medikamenten, die gegen die Wirkung des Botenstoffes des Nervensystems namens Acetylcholin (anticholinerg) gerichtet sind (diese können zu kognitiven Beeinträchtigungen führen)

Unserer Ratgeber aus dem Bereich Neurologie

In folgenden Ratgebern stellen wir aktuelle Behandlungsmethoden vor und zeigen Ihnen, welche Krankenhäuser und Experten sich auf Neurologie spezialisiert haben.

Kliniken für Geriatrie

In Deutschland gibt es 631 Kliniken für Geriatrie. Klinikradar hat die neusten offiziellen Qualitätsdaten aller Krankenhäuser ausgewertet und Kliniken mit besonders hoher Expertise bei der Behandlung in der Geriatrie ermittelt. Vergleichen Sie Kennzahlen und Behandlungsangebot, um die für Sie beste Klinik für Geriatrie zu finden.

  1. Geriatriezentrum (Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck)

    Viele Fälle im Bereich Geriatrie
    • Geriatrie
      12.976 Fälle in 2 Fachabteilungen
    • Mittelgroßes Krankenhaus
      164 Betten
    2 Fachabteilungen für Geriatrie:
  2. Albertinen Haus

    Viele Fälle im Bereich Geriatrie
    • Geriatrie
      9.404 Fälle
    • Kleines Krankenhaus
      127 Betten
    Fachabteilung für Geriatrie:
  3. Evangelisches Geriatriezentrum Berlin

    Viele Fälle im Bereich Geriatrie
    • Geriatrie
      9.150 Fälle in 2 Fachabteilungen
    • Mittelgroßes Krankenhaus
      192 Betten
    2 Fachabteilungen für Geriatrie:
Alle Kliniken für Geriatrie

Kliniken für Geriatrie nach Bundesland

Kliniken für Geriatrie in deutschen Großstädten

Tageskliniken für Geriatrie

Eine Tagesklinik für Geriatrie kann eine sinnvolle Alternative zu einem stationären Aufenthalt sein. Patienten werden in einer Tagesklinik mit Spezialisierung auf Geriatrie von Montag bis Freitag tagsüber von Fachärzten behandelt, verlassen die Klinik aber ab dem späten Nachmittag und übernachten zu Hause. Die Patienten der Tagesklinik werden so nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen, können aber trotzdem die Behandlungsmöglichkeiten im Bereich Geriatrie wahrnehmen.

  1. Evang. Tagesklinik Strausberg

    Viele Fälle im Bereich Geriatrie
    • Geriatrie
      4.557 Fälle
    • Kleines Krankenhaus
      15 Betten
    • Tagesklinik
    Fachabteilung für Geriatrie:
    • Anmerkung der Abteilung: Ziel der teilstationären Behandlung sind u.a. die Verkürzung der vollstationären Verweildauer im Krankenhaus sowie die Verbindung von Rehabilitation mit der schrittweisen Reintegration des Patienten in die häusliche Umgebung.

  2. Vitanas Klinik & Tagesklinik für Geriatrie

    Viele Fälle im Bereich Geriatrie
    • Geriatrie
      3.938 Fälle in 2 Fachabteilungen
    • Kleines Krankenhaus
      105 Betten
    • Tagesklinik
    2 Fachabteilungen für Geriatrie:
  3. Evang. Tagesklinik Fürstenwalde

    Viele Fälle im Bereich Geriatrie
    • Geriatrie
      3.670 Fälle
    • Kleines Krankenhaus
      20 Betten
    • Tagesklinik
    Fachabteilung für Geriatrie:
    • Anmerkung der Abteilung: Ziel der teilstationären Behandlung sind u.a. die Verkürzung der vollstationären Verweildauer im Krankenhaus sowie die Verbindung von Rehabilitation mit der schrittweisen Reintegration des Patienten in die häusliche Umgebung.

Kliniklisten: Behandlung im Bereich Neurologie

Mit unserer Kliniksuche finden Sie auch in anderen Bereichen des Fachgebiets Neurologie empfehlenswerte Spezialkliniken: