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Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist eine seit langer Zeit in der Medizin bekannte Behandlungsmethode, die immer weiter verfeinert wurde. Neben Krebserkrankungen wird diese Behandlung auch bei Gelenkserkrankungen, Weichteilerkrankungen sowie entzündlichen Erkrankungen der Augenhöhle angewendet.

Was versteht man unter einer Strahlentherapie?

Bei einer Strahlentherapie werden Krankheiten mit energiereicher ionisierender Strahlung aus einer Strahlenquelle behandelt. Diese Strahlung entfernt aus Atomen und Molekülen, aus denen der menschliche Körper aufgebaut ist, negativ geladene Bestandteile (Elektronen) und erzeugt damit positiv geladene Teilchen. Dadurch schädigt die Strahlung Zellstrukturen, verlangsamt die Teilung der Körperzellen und zerstört somit die Zellen. Gesunde Zellen können die Schäden an der Zelle mit Reparaturmechanismen besser reparieren und überleben damit eher als Krebszellen. Ziel ist, die veränderten (bösartigen) Zellen abzutöten, während sich das gesunde Gewebe wieder vollständig erholen kann.

  • Was ist eine externe Strahlentherapie?

    Bei einer externen Strahlentherapie befindet sich die Strahlenquelle außerhalb des Körpers und die Strahlen dringen durch die Haut bis in das Tumorgewebe ein. Die weite Entfernung vom Bestrahlungsgebiet verleiht dieser Teletherapie ihren Namen (griech. tele = weit). Dabei wird das Zielgewebe aus mehreren Winkeln bestrahlt, um das umliegende Gewebe zu schonen.
    Eingesetzt werden elektromagnetische Strahlen, wie Röntgenstrahlen oder Teilchenstrahlen, zum Beispiel aus negativ geladenen Teilchen (Elektronen).

    Meist erhält man die Strahlentherapie über mehrere Wochen an den Wochentagen und die Wochenenden sind frei. Vor Beginn der Bestrahlung wird die Bestrahlung von Ärzten gemeinsam mit Strahlenphysikern anhand von bildgebenden Untersuchungsverfahren, wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), geplant. Anschließend werden die geplanten Bestrahlungsbereiche auf der Haut aufgezeichnet, um bei der Bestrahlung immer dieselbe Stelle zu bestrahlen. Man legt sich auf eine bewegliche Patientenliege und wird mit Polstern und Gurten in einer Position gehalten. Eventuell sind dazu auch individuell anzufertigende Masken oder Netze nötig. Über strahlenempfindliche Körperteile werden abschirmende Materialien gelegt. Die Patientenliege sowie das Bestrahlungsgerät werden individuell eingestellt und das Personal verlässt den Raum. Während der anschließenden kurzen (wenige Sekunden bis Minuten) Bestrahlung wird man überwacht und man kann mit dem Personal über ein Mikrophon in Kontakt treten.

  • Was ist eine interne Strahlentherapie?

    Bei der internen Strahlentherapie positioniert man die Strahlenquelle in unmittelbarer Nähe zum Tumor. Die kurze Distanz, welche die Strahlen bis zu Ihrem Wirkort zurücklegen müssen, verleiht der Brachytherapie ihren Namen (griech. brachys = kurz). Eingesetzt werden radioaktive Stoffe als Strahlenquelle.

    Es gibt drei Formen:

    • Intrakavitäre Brachytherapie: Die Strahlenquelle wird in natürliche Hohlräume des Körpers, wie die Speiseröhre, eingebracht, welche sich nahe des Tumors befinden.
    • Interstitielle Brachytherapie: Die Strahlenquelle wird als reiskorngroße Kapseln (Seeds) direkt in das betroffene Gewebe eingebracht, zum Beispiel in die Brust, und kann dort entweder dauerhaft bleiben oder wird immer wieder für kurze Zeit eingesetzt und danach wieder entfernt.
    • Oberflächenkontakttherapie: Für oberflächliche Tumore (beispielsweise Hautkrebs) bringt man einen umhüllten Strahler direkt auf die Haut auf und entfernt diesen nach kurzer Zeit wieder.

    Um die radioaktive Strahlenquelle nahe des Tumors zu platzieren, müssen vorher Applikatoren, also eine Hülse, ein Schlauch oder kleine Hohlnadeln, in den Körper eingebracht werden. Dies geschieht meist unter örtlicher oder allgemeiner Betäubung, da das Einsetzen oft unangenehm ist. Anschließend wird deren Lage mit bildgebenden Verfahren, wie CT oder MRT, überprüft und gegebenenfalls korrigiert, um eine gleichmäßige Bestrahlung des Tumors zu gewährleisten. Die radioaktive Substanz wird ferngesteuert über Schläuche in die Applikatoren eingeführt und nach ein paar Minuten wieder eingezogen. Die Applikatoren werden anschließend entfernt oder verbleiben im Körper.

Bei welchen Krankheiten wird eine Strahlentherapie eingesetzt?

Die Strahlentherapie wird bei vielen Krebserkrankungen in Kombination mit Medikamenten (Chemotherapie, Immuntherapie, zielgerichtete Therapie), bei manchen aber auch allein eingesetzt.

Röntgenstrahlen in sehr geringen Dosen können beispielsweise Entzündungsabläufe und Botenstoffe der Körperzellen beeinflussen und auf diese Weise schmerzlindernd und gegen Entzündungen wirken sowie übermäßiges Wachstum hemmen. Daher ist eine Strahlentherapie auch bei folgenden gutartigen Erkrankungen möglich:

  • Gelenkschmerzen wegen fortgeschrittenem oder aktiviertem Gelenkverschleiß (Arthrose) oder Schleimbeutelentzündungen an Fingergelenken, Schultern, Ellenbogen, Knien oder Hüften
  • Schmerzhafte Reizung von Muskel-/Sehnenansätzen mit und ohne Verkalkungen
  • Verknöcherungen nach Einsatz (Implantation) von Prothesen im Köper (heterotope Ossifikation)
  • Weichteilerkrankungen mit Gewebevermehrung wie beispielsweise Knötchen
  • Vorbeugung einer Umfangsvermehrung der Brust beim Mann (Gynäkomastieprophylaxe) bei einer Hormonbehandlung
  • entzündliche Erkrankung der Augenhöhle, die im Zusammenhang mit einer gesteigerten Schilddrüsenerkrankung auftritt und durch hervortretende Augäpfel charakterisiert ist (Endokrine Orbitopathie)

In welchen Abständen wird eine Bestrahlung durchgeführt?

Meist wird eine Bestrahlungstherapie nicht in einer Sitzung durchgeführt, sondern die Strahlendosis in kleine Portionen (Fraktion) aufgeteilt, die in bestimmten Zeitabständen verabreicht werden. Auf diese Weise können Nebenwirkungen der Strahlentherapie vermindert und insgesamt eine erhöhte Strahlendosis verabreicht werden.
Bei dem Schema der hypofraktionierten Bestrahlung werden die Einzeldosen pro Fraktion im Vergleich zum konventionellen Bestrahlungsschema erhöht, um schlussendlich die Gesamtbehandlungszeit und damit die Liegezeit im Krankenhaus zu reduzieren. Wird das hyperfraktionierte Schema angewendet, werden die Fraktionen zu einer geringeren Dosis reduziert und im Gesamtbehandlungszeitraum in kleineren Zeitabständen verabreicht. So kann insgesamt eine höhere Gesamtstrahlendosis verwendet werden und Tumore, welche sich schnell teilen, besser bekämpft werden. Bei einer Akzelerierung werden die Fraktionen mit gleichbleibender Dosis in kleineren Abständen gegeben, wodurch die Gesamtbestrahlungszeit verkürzt wird und die Therapie wirksamer ist, jedoch auch mehr Nebenwirkungen auftreten. Eingesetzt wird diese Therapieform bei Tumoren, die schnell gegen Strahlen resistent werden. Bei der Boost-Therapie wird die Strahlendosis in einem bestimmten Bereich, meist in dem Bereich des ursprünglichen Tumors, erhöht, um einen Rückfall zu vermeiden. Üblich ist dies unter anderem bei Krebs der Brustdrüse, der Speiseröhre, des Enddarms und im Kopf-Hals-Bereich.

Zu welchem Zeitpunkt wird eine Strahlentherapie bei Krebserkrankungen (Tumoren) durchgeführt?

Abhängig von der Krebsart, dem körperlichen Zustand und der Schwere der Krebserkrankung wird Ihr Arzt über den Zeitpunkt Ihrer Bestrahlung entscheiden. In manchen Fällen wird nur eine Strahlentherapie angewendet, in vielen Fällen wird diese mit einer Operation oder mit einer medikamentösen Therapie, beispielsweise mit Chemotherapeutika oder Hormonen kombiniert. In Kombination mit einer Chemotherapie heißt das Verfahren Radiochemotherapie und durch die Chemotherapie wird der Tumor sensibler gegenüber den Strahlen.

In Kombination mit einer Operation hat man folgende Möglichkeiten:

  • Präoperative (neoadjuvante) Strahlentherapie: Durch eine Bestrahlung vor der Operation versucht man den Tumor zu verkleinern, sodass der Patient nach der Operation vom Tumor geheilt ist. Angewendet wird dies beispielsweise Tumoren der Speiseröhre, der Lunge oder des Enddarms.
  • Intraoperative Strahlentherapie: Mit einer hohen Strahlendosis wird sofort nach der Entfernung des Tumors der ursprüngliche Tumorort mit seiner Umgebung für ungefähr 30 Minuten bestrahlt. Danach wird die Wunde wieder verschlossen. Nach der Wundheilung erfolgt noch eine externe Strahlentherapie. So soll ein Rückfall verhindert und die Gesamtbehandlungszeit verkürzt werden.
  • Postoperative (adjuvante) Strahlentherapie: Nach einer Operation werden durch eine Strahlentherapie eventuell zurückgebliebene Tumorzellen abtöten, um einen Rückfall zu verhindern. Man nutzt dies bei Brustkrebs und fortgeschrittenem Enddarmkrebs.
  • Wenn man mit einer Strahlentherapie eine Krebserkrankung nicht heilen kann, wozu kann man sie dann einsetzen?

    Eine palliative Strahlentherapie hat eine Linderung der Symptome und eine Verbesserung der Lebensqualität des Patienten als Therapieziele. So kann man beispielsweise schmerzende Tumorzellansammlungen im Knochen (Knochenmetastasen) bestrahlen, um Schmerzen zu lindern. Auch Knochenmetastasen, die Knochen abbauen, werden bestrahlt, damit der Knochen wieder Mineralien einlagert und fest wird und nicht bricht. Tumore in der Brusthöhle können den Rückstrom des Blutes zum Herzen behindern (Einflussstauung), welche man durch Bestrahlung des Tumors verhindern kann.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Strahlentherapie auftreten?

Durch die technische Weiterentwicklung der Bestrahlung in den letzten Jahren, kann der Tumor gezielter bestrahlt werden und das umgebende Gewebe besser geschont werden. Dennoch können unter anderem abhängig von der Art und Lage des Tumors, der Strahlendosis und der Technik der Bestrahlung Nebenwirkungen auftreten. Was Sie erwartet und wie Sie sich verhalten sollen, besprechen Sie vor der Bestrahlung mit Ihrem Arzt.

Folgende Nebenwirkungen können auftreten:

  • Erschöpfung (Fatigue)
  • Gewichtsverlust und Einschränkungen beim Essen
  • Übelkeit
  • Durchfälle
  • Schleimhautentzündung mit Schmerzen, Rötungen und Schwellung, Ansteckung durch eingedrungene Krankheitserreger (Infektion) als kurzfristige Folge und langfristig Vernarbungen mit Funktionsbeeinträchtigung von Organen
  • Rötungen, Jucken, Spannungen, Blasenbildung der Haut, langfristig mit Vernarbungen, feinste Blutgefäßzeichnungen, Farbänderungen und veraltet erscheinend
  • vorübergehender Haarausfall (Kopfhaare, Wimpern, Augenbrauen) im bestrahlten Gebiet
  • Auftreten eines neuen Tumors an einer anderen Stelle im Körper, ohne Zusammenhang mit dem ursprünglichen Tumor (Zweittumor)
  • Impotenz, Inkontinenz
  • Entzündung von Organen, beispielsweise Blasenentzündung oder Lungenentzündung

Unserer Ratgeber aus dem Bereich Onkologie

In folgenden Ratgebern stellen wir aktuelle Behandlungsmethoden vor und zeigen Ihnen, welche Krankenhäuser und Experten sich auf Onkologie spezialisiert haben.

Kliniken für Strahlentherapie

In Deutschland gibt es 185 Kliniken für Strahlentherapie. Klinikradar hat die neusten offiziellen Qualitätsdaten aller Krankenhäuser ausgewertet und Kliniken mit besonders hoher Expertise bei der Behandlung mit Strahlentherapie ermittelt. Vergleichen Sie Kennzahlen und Behandlungsangebot, um die für Sie beste Klinik für Strahlentherapie zu finden.

  1. Universitätsklinikum Würzburg

    Viele Fälle im Bereich Strahlentherapie
    • Strahlentherapie
      54.555 Fälle
    • Großes Krankenhaus
      1.438 Betten
    • Universitätsklinikum
    • Hohe Patientenzufriedenheit
      Patientenbefragung der Techniker Krankenkasse
    Fachabteilung für Strahlentherapie:
  2. Universitätsklinikum Erlangen

    Viele Fälle im Bereich Strahlentherapie
    • Strahlentherapie
      39.862 Fälle
    • Großes Krankenhaus
      1.394 Betten
    • Universitätsklinikum
    • Hohe Patientenzufriedenheit
      Patientenbefragung der Techniker Krankenkasse
    Fachabteilung für Strahlentherapie:
  3. Universitätsmedizin Rostock

    Viele Fälle im Bereich Strahlentherapie
    • Strahlentherapie
      27.189 Fälle
    • Großes Krankenhaus
      1.050 Betten
    • Universitätsklinikum
    Fachabteilung für Strahlentherapie:
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