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Morbus Crohn

Dr. med. Tobias Bobinger

Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung, die schubweise verläuft und als Entzündung den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betreffen kann. Typisch ist jedoch eine Entzündung im letzten Abschnitt des Dünndarms sowie im Anfangsbereich des Dickdarms. Neben dem Verdauungstrakt können auch Begleiterkrankungen an Gelenken, Augen und Haut auftreten. Die Therapie begründet sich auf verschiedenen Säulen, die medikamentöse Therapie wird unter anderem mit immunsuppressiver Medikation durchgeführt.

Was sind Zeichen für Morbus Crohn?

Morbus Crohn äußert sich hauptsächlich als entzündliche Darmerkrankung. Weiterhin kann diese Erkrankung auch andere Stellen des Köpers betreffen. Es sind folgende Beschwerden möglich:

  • Durchfall
  • Krampfartige Schmerzen beim Stuhlgang (Tenesmen)
  • Schmerzen im rechten Unterbauch
  • Tastbare Verwachsung der Darmwand nach Entzündung (Konglomerattumor)
  • Analfistel (nicht natürlich angelegter Verbindungsgang zwischen Anus und der Körperoberfläche)
  • Eiteransammlung im Anus (After) und Rektum (Anorektaler Abszess)
  • Einriss in der Schleimhaut des Analkanals (Anale Fissur)
  • Hautfalten am Anus (Marisken)
  • Einengungen des Darmlumens (intestinale Stenose)
  • intestinale Fistel (nicht natürlich angelegter Verbindungsgang zwischen Darm und der Körperoberfläche oder anderen Organen im Bauchraum)
  • Gewichtsverlust
  • Mangel an roten Blutplättchen (Anämie)
  • Störung der Fettaufnahme
  • Wachstumsstörungen bei Kindern
  • Geschwüre im Mund (Aphthen)
  • Gelenkentzündung (Arthritis)
  • Entzündungen im Auge
  • Entzündliche Hautveränderungen, etwa an den Unterschenkeln (Erythema nodosum)

Was sind bekannte Ursachen für Morbus Crohn?

Die Ursache von Morbus Crohn ist bisher nicht bekannt. Es werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie diese entzündliche Darmerkrankung ausgelöst werden könnte. Zum einen sind Veränderungen (Mutationen) bestimmter Erbgut-Abschnitte (Gene) möglich. So wurden bei Patienten vermehrt Mutationen im Gen NOD2 beobachtet, welches wichtig für das Abwehrsystem im Dam ist. Zum anderen kann Morbus Crohn auch durch eine fehlerhafte Aktivierung des körpereigenen Abwehrsystems, eine sogenannte Autoimmunreaktion, entstehen. Dieses Immunsystem greift durch Fehlsteuerung verschiedene körpereigene Strukturen und Organe an, im Fall von Morbus Crohn meistens den Darm. Ausgehen kann diese Autoimmunreaktion von einem Krankheitserreger (z. B. Viren oder Bakterien), mit dem Sie sich angesteckt haben (Infektion). Eine andere Hypothese wäre eine Störung der Durchlässigkeit Ihrer Darmwand. Normalerweise sollen nur Nährstoffe und keine krankmachenden Erreger die Darmwand überwinden. Können nun auch zum Beispiel Bakterien hindurch passieren, reagiert das Immunsystem und bekämpft diese in der Darmwand. Es kommt schließlich zu Entzündungsreaktionen.

Was sind bekannte Risikofaktoren für Morbus Crohn?

Eine höhere Wahrscheinlichkeit, diese Krankheit zu entwickeln, haben Raucher. Ernährungsangewohnheiten wurden über längere Zeit diskutiert, haben aber keinen Einfluss auf die Entstehung der Erkrankung. Nikotinverzicht bleibt daher der einzig bekannte vermeidbare Risikofaktor für Morbus Crohn.

Welche Untersuchungen werden bei Verdacht auf Morbus Crohn durchgeführt?

Bei Verdacht auf Morbus Crohn wird Ihnen zuerst Blut abgenommen und dieses auf Blutzellen, Entzündungswerte, Eisenhaushalt, Nierenwerte und Leberwerte kontrolliert. Der CRP-Wert (C-reaktives Protein), ein Entzündungsmarker, gibt einen Hinweis auf die Krankheitsaktivität. Zum Ausschluss einer Entzündung des Verdauungstraktes durch Bakterien, wird eine Stuhluntersuchung durchgeführt.


Anschließend nimmt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung ihres Bauchraumes sowie eine Darmspiegelung vor. Die Darmspiegelung beinhaltet eine Untersuchung des gesamten Verdauungsapparates von der Mundhöhle bis zum Anus, mit Gewebeprobeentnahme an mehreren Stellen im Verdauungstrakt. Dabei führt der Arzt über den Mund oder den Anus ein Untersuchungsgerät ein und kann den Verdauungskanal ausleuchten und Gewebeproben entnehmen. Zudem wird noch eine Bildgebung in einer großen Röhre, die Magnetresonanztomographie (MRT), durchgeführt.

Im weiteren Verlauf ist eine regelmäßige Kontrolle mit der Dickdarmspiegelung (Coloskopie) sinnvoll, da bei Morbus Crohn ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs besteht.

Was ist der Unterschied zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Es ist wichtig, diese Untersuchungen genau durchzuführen, um zwischen den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (Entzündung des Dickdarms) zu differenzieren. Die Unterscheidung ist essenziell, da beide Erkrankungen zwar entzündliche Darmerkrankungen sind, jedoch nach verschiedenen Therapiekonzepten behandelt werden und andere Prognosen haben.

Unterscheidungsmerkmal Morbus Crohn Colitis Ulcerosa
Stuhlgang Stuhlgang selten mit Blut blutig-schleimig
Schmerzen rechter Unterbauch, dauerhafte Schmerzen linker Unterbauch, vor und beim Stuhlgang
Fisteln häufig vorhanden selten vorhanden
Ausbreitung Ausbreitung Wechsel gesunder und entzündeter Bereiche, im gesamten Verdauungstrakt zwischen Mund und After kontinuierlicher Befall, im mittleren Abschnitt des Dickdarms
Gewebeprobeuntersuchung Gewebeprobeuntersuchung Befall der gesamten Darmwand Befall der oberen Darmschichten

Wie wird Morbus Crohn therapiert?

Morbus Crohn wird heutzutage medikamentös behandelt, ist aber nicht heilbar. Jedoch können Betroffene unter optimaler Therapie ein normales Lebensalter erreichen. Da Morbus Crohn schubförmig verläuft, hat man Behandlungsprinzipien für den akuten Schub als auch für die Zeit zwischen den Schüben, den symptomfreien Phasen (Remission), sogenannte Remissionserhaltungstherapien entwickelt. Ein wichtiger erster Schritt bei der Therapie des Morbus Crohn ist der Rauchverzicht.

  • Therapie der Darmfunktionsstörung

    Besteht aufgrund der Darmschädigung eine Aufnahmestörung von Nährstoffen (Malabsorptionsstörung), werden Ihnen entsprechende Nahrungsergänzungsmittel verschrieben. Dabei handelt es sich meist um Vitamin D und Vitamin B12. Ihre Bauchschmerzen können Sie lindern, indem Sie krampflösende Medikamente oder bei Durchfall Loperamid (Arzneimittel mit morphinähnlicher Wirkung) einnehmen. Möchten Sie darüber hinaus Ihren Darm schonen, sollten Sie auf saure, scharfe, heiße oder kalte Nahrungsmittel verzichten. Außerdem können Sie Ihren Darm entlasten, wenn Sie am Tag mehrere kleine Mahlzeiten essen.

  • Schubtherapie

    Im akuten Schub verabreicht man bei leichter Entzündungsaktivität das künstlich hergestellte Hormon Budesonid. Budesonid wird zum Großteil schnell in der Leber abgebaut und wirkt daher nicht auf den gesamten Körper. Wenn Sie Budesonid aus bestimmten Gründen nicht einnehmen dürfen oder Sie diese Behandlung ablehnen, können Sie das entzündungshemmende Mittel Mesalazin einnehmen. Ist nur der untere Teil Ihres Magen-Darm-Traktes leicht entzündet, würde man Glucocorticoide (künstlich hergestellte Hormone) und Mesalazin über einen Einlauf in den Anus dem Körper zuführen. Ist die Entzündung stark ausgeprägt, der Dünndarm großflächig befallen oder haben Sie Beschwerden am gesamten Körper, nehmen Sie Glucocorticoide, die auf den gesamten Körper wirken, wie beispielsweise Prednisolon. Bei diesem Medikament ist es wichtig, dass Sie dieses nicht abrupt absetzen, sondern die Dosis über längere Zeit immer weiter reduzieren. Bei Kindern, die an Morbus Crohn erkranken und häufig schwerwiegende Symptome aufweisen, ist die enterale Ernährungstherapie (künstliche Ernährungsform) eine Option. Hier dürfen nur ausgewählte Flüssignahrungsmittel verabreicht werden.

  • Erhaltungstherapie (Remissionserhaltungstherapie)

    Die Remissionserhaltungstherapie erfolgt mit Immunsuppressiva wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder TNF-a-Hemmern. Diese Medikamente setzen die Aktivität des Immunsystems herab. Sie werden auch beim akuten Schub angewendet, wenn die dafür vorgesehene Therapie nicht anschlägt.

  • Operative Therapie bei Komplikationen

    Ein chirurgischer Eingriff mit Entfernung der befallenen Darmabschnitte lindert für die erste Zeit zwar die Symptome, heilt die Krankheit aber nicht. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tritt Morbus Crohn im Anschluss an die Operation an anderen Stellen im Körper wieder auf. Ein OP ist jedoch essenziell, wenn die Darmröhre sich wiederholt verschließt, sodass der Nahrungsbrei nicht weiter transportiert werden kann. Einengungen der Darmröhre können operativ mit einem Ballon aufgedehnt werden. Entstehen durch die entzündliche Darmerkrankung Eiterbeulen (Abszesse) entlang des Verdauungstraktes, wird der Eiter entweder durch eine Operation entfernt oder mit einem dünnen Schlauch durch die Haut abgeleitet. Verbindungsgänge zwischen Verdauungskanal und der Körperoberfläche beziehungsweise anderen Organen (Fistelbildung), die sich stellenweise verschließen, sollten ebenfalls operativ versorgt werden. Fisteln, die im Bereich um den After enden, werden zuerst mit einer Antibiotikatherapie behandelt. Bei erfolgloser Therapie kommen nach einem Monat Immunmodulatoren, die das Immunsystem beeinflussen, zum Einsatz. Wenn der Erfolg ausbleibt, wird operiert.

    Fisteln, die immer wieder auftreten, können mit einem medizinischen Kleber (Fibrinkleber) verklebt werden. Oder die Fisteln werden mit einem medizinischen Material (zum Beispiel Silikonfäden) offengehalten, ausgetrocknet und es kommt dann längerfristig zu einem Verschluss der Fistel.

Unserer Ratgeber aus dem Bereich Magen-Darm-Erkrankungen

In folgenden Ratgebern stellen wir aktuelle Behandlungsmethoden vor und zeigen Ihnen, welche Krankenhäuser und Experten sich auf Magen-Darm-Erkrankungen spezialisiert haben.

Kliniken für Morbus Crohn

In Deutschland gibt es 745 Kliniken für Morbus Crohn. Klinikradar hat die neusten offiziellen Qualitätsdaten aller Krankenhäuser ausgewertet und Kliniken mit besonders hoher Expertise bei der Behandlung von Morbus Crohn ermittelt. Vergleichen Sie Kennzahlen und Behandlungsangebot, um die für Sie beste Klinik für Morbus Crohn zu finden.

  1. Charité - Universitätsmedizin Berlin

    Viele Fälle im Bereich Morbus Crohn
    • Morbus Crohn
      403 Fälle in 5 Fachabteilungen
    • Großes Krankenhaus
      3.011 Betten
    • Universitätsklinikum
    5 Fachabteilungen für Morbus Crohn:
    • Anmerkung der Abteilung: Konservative und chirurgische Therapie der chronisch-entzündlichen Darmerkranungen, Divertikelkrankheit.

  2. St. Vincenz-Krankenhaus Limburg

    Viele Fälle im Bereich Morbus Crohn
    • Morbus Crohn
      194 Fälle in 2 Fachabteilungen
    • Großes Krankenhaus
      508 Betten
    2 Fachabteilungen für Morbus Crohn:
  3. Asklepios Westklinikum Hamburg

    Viele Fälle im Bereich Morbus Crohn
    • Morbus Crohn
      191 Fälle in 2 Fachabteilungen
    • Großes Krankenhaus
      517 Betten
    2 Fachabteilungen für Morbus Crohn:
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Kliniken für Morbus Crohn nach Bundesland

Kliniken für Morbus Crohn in deutschen Großstädten

Tageskliniken für Morbus Crohn

Eine Tagesklinik für Morbus Crohn kann eine sinnvolle Alternative zu einem stationären Aufenthalt sein. Patienten werden in einer Tagesklinik mit Spezialisierung auf Morbus Crohn von Montag bis Freitag tagsüber von Fachärzten behandelt, verlassen die Klinik aber ab dem späten Nachmittag und übernachten zu Hause. Die Patienten der Tagesklinik werden so nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen, können aber trotzdem die Behandlungsmöglichkeiten im Bereich Morbus Crohn wahrnehmen.

  1. Tagesklinik für Onkologie, Kinderonkologie, Dermatologie, Neurologie, HNO

    Wenige Fälle im Bereich Morbus Crohn
    • Morbus Crohn
      2 Fälle
    • Kleines Krankenhaus
      43 Betten
    • Tagesklinik
    • Universitätsklinikum
    Fachabteilung für Morbus Crohn:

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