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Adipositaschirurgie

Bei Adipositas stehen nicht-operative Maßnahmen wie Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie an erster Stelle. Schlagen diese Maßnahmen fehl, wird in einigen Fällen eine Adipositas-Operation (Adipositaschirurgie) empfohlen. Hier zeigen wir Ihnen verschiedene Möglichkeiten zur operativen Behandlung von Adpositas und erläutern wichtige Punkte, auf die Sie kennen sollten und auf was Sie achten müssen.

Wie wird Adipositas eigentlich definiert?

Adipositas bedeutet starkes oder krankhaftes Übergewicht und wird von der WHO über den Body-Mass-Index (BMI) definiert. Dieser berechnet sich aus dem Quotienten aus dem Körpergewicht in Kilogramm und dem Quadrat der Körpergröße in Metern. Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab einem BMI von 30 von Adipositas Grad I, ab einem BMI von 35 von Adipositas Grad II und ab einem BMI von 40 von Adipositas Grad III.
Beispielhaft für eine Adipositas Grad II wäre ein Körpergewicht von 120 Kilogramm und eine Größe von 1,80 Metern, wodurch sich der BMI mit diesen Werten wie folgt berechnet: 120 Kilogramm/(1,80 Meter)² = BMI 37.

Wann ist eine chirurgische Therapie bei Adipositas angezeigt?

Zunächst steht immer eine Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie sowie auch medikamentöse Therapie im Vordergrund. Oft führen diese Maßnahmen jedoch nicht zum Erfolg oder können aus verschiedenen Gründen nicht durchgeführt werden. Dann wird Ihr behandelnder mit Ihnen chirurgische Eingriffe besprechen, die Ihnen das Abnehmen erleichern. Dennoch ist auch nach der Operation sowohl eine ausgewogene und gesunde Ernährung als auch eine regelmäßige Bewegung nötig, um vom Eingriff zu profitieren.

Der Arzt orientiert sich bei der Entscheidung für oder gegen eine Adipositas-Chirurgie an den sogenannten S3-Richtlinien. Sie besagen, dass eine Operation in Frage kommt, wenn der BMI über 40 liegt oder wenn bei einem BMI über 35 adipositasassoziierte Begleiterkrankungen vorliegen, wie beispielsweise Diabetes mellitus oder Asthma.
Auch wenn die nicht-operativen Methoden in der Regel zuerst angeordnet werden, steht in manchen Fällen die Operation an erster Stelle. Dazu zählen:

  • BMI von 50 und größer
  • Besonders schwere Begleiterkrankungen oder Folgeerkrankungen der Adipositas
  • Die nicht-operativen Methoden werden vom multidisziplinären Team nicht als erfolgsversprechend angesehen

Welche chirurgische Therapie für Sie die richtige ist, besprechen Sie mit dem Arzt unter Abwägung von Risiken und Vorteilen sowie unter Berücksichtigung persönlicher Faktoren.

Welche Operationsmethoden gibt es heutzutage?

Die Operationsmethoden im Bereich der Adipositaschirurgie werden ständig weiterentwickelt.

Die bekanntesten Methoden sind:

  • Magenband-OP
  • Magenbypass-OP
  • Schlauchmagen-OP
  • biliopankreatische Diversion
  • Magenballon

Alles Wissenswerte zur Magenband-OP

  • Wann kommt diese Methode für mich in Frage?

    Diese Operation kommt für Sie in Frage, wenn Sie eher herzhaft („non sweet-eater“) und nicht sehr viel auf einmal in Form von Fressattacken („binge eater“) essen.
  • Wie wird die Operation durchgeführt?

    Nach ein paar in Vollnarkose durchgeführten kleinen Schnitten, über welche Arbeitsinstrumente in den Bauchraum eingeführt werden, und dem anschließenden Vortasten des Operateurs zum Magen wird um den oberen Teil des Magens von außen ein Gürtel geschlungen, um den Magen in einen kleinen oberen Teil, den Vormagen (Pouch), und einen größeren unteren Teil zu unterteilen.
  • Was ist der Sinn der Magenband-OP?

    Das Sättigungsgefühl setzt ein, wenn der obere Magen gefüllt ist. Dies tritt früher ein, da dieser nicht so viel Volumen aufnehmen kann, wie der gesamte Magen, sodass man insgesamt weniger Nahrung zu sich nimmt. Auch muss man die Nahrung gut zerkauen, damit der Nahrungsbrei die Einengung am Magen durch den Gürtel überwinden kann und man isst dadurch langsamer.
  • Was versteht man unter einem verstellbaren Magenband?

    Es gibt auch die Option eines verstellbaren Magenbandes. Dieser Gürtel ist mit Flüssigkeit gefüllt und man kann durch Flüssigkeitszugabe in den Gürtel die Verbindung zwischen dem kleinen und großen Magenanteil verengen oder diesen durch Flüssigkeitsentzug erweitern. Die Flüssigkeit wird unter der Haut in einem Reservoir (Port) gespeichert und kann von außen mit einer feinen Nadel zugeführt beziehungsweise entzogen werden. Über einen dünnen Schlauch fließt die Flüssigkeit bei der Bandeinstellung, welche ohne Narkose erfolgen kann, zwischen dem Reservoir und dem Gürtel.
  • Kann die Magenband-OP wieder rückgängig gemacht werden?

    Ja. Das Magenband kann wieder entfernt werden und gegebenenfalls ein anderes Verfahren zur Behandlung der Adipositas angewendet werden.
  • Welche Besonderheiten kommen nach der OP auf mich zu?

    Nach der Operation müssen Sie Ihre Ernährung unter anderem dahingehend umstellen, dass Sie auf Breiiges, Cremiges und Flüssiges verzichten, da dieses leicht die Verengung passieren kann und der durch die Operation entstandene Effekt nicht zum Tragen kommt.

Alles Wissenswerte zur Magenbypass-OP

  • Wann kommt diese Methode für mich in Frage?

    Ein Magenbypass wäre für Sie eine gute Option, wenn Sie viel Süßes ("sweet eater") sowie unregelmäßig und zwischendurch essen.
  • Wie wird die Operation durchgeführt?

    Beim Legen eines Magenbypasses, wobei es sich standardmäßig um den Roux-Y-Magenbypass handelt, wird der Magen-Darm-Trakt umgestaltet. Den Zugang zum Magen-Darm-Trakt schafft sich der Arzt über ein paar in Vollnarkose durchgeführte kleine Schnitte, über welche Arbeitsinstrumente in den Bauchraum eingeführt werden. Ein Großteil des Magens mit dem sich anschließenden Dünndarm wird abgetrennt, sodass nur noch ein kleiner oberer Teil des Magens (Pouch) verbleibt. Der Dünndarm, der noch am großen Teil des Magens hängt, wird nach einer bestimmten Strecke durchtrennt und der restliche Dünndarm hochgezogen zum Magenpouch. Der abgetrennte Teil des Magens mit dem Dünndarmsegment wird weiter hinten wieder an den Dünndarm angeschlossen, sodass die Verdauungssäfte aus dem Dünndarm erst später in den Dünndarm gelangen und sich die Verdauung verzögert, was wiederum zu einer verminderten Aufnahme der Nährstoffe führt. Der unverdaute Nahrungsrest wird über den Dickdarm ausgeschieden.
  • Was ist der Sinn der Magenbypass-OP?

    Zunächst kommt es durch die Operation zu einer verminderten Aufnahme der Nährstoffe. Der unverdaute Rest der Nahrung wird über den Dickdarm wieder ausgeschieden. Darüber hinaus kann auch weniger Nahrung im Pouch gespeichert werden als im ursprünglichen Magen. Auch kommt es durch den Eingriff zu einer Dämpfung des Hungergefühls durch eine Spiegelsenkung des Stoffwechselhormons Ghrelin.
  • Was versteht man unter einem Omega-loop-Magenbypass oder Minibypass?

    Eine Abwandlung des Roux-Y-Magenbypasses ist der Omega-loop-Magenbypass, auch Minibypass genannt. Dabei wird der Magen in einen kleinen, an der Speiseröhre angeschlossenen Teil (Pouch) und einen größeren Teil getrennt und der Pouch anschließend mit einer Dünndarmschlinge verbunden.
  • Welche Besonderheiten kommen nach der OP auf mich zu?

    Mit einem Magenbypass müssen Sie, um Mangelerscheinungen vorzubeugen, dem Körper fehlende Spurenelemente, Mineralien und Vitamine zuführen.

Alles Wissenswerte zur Schlauchmagen-OP

  • Wann kommt diese Methode für mich in Frage?

    Sie profitieren von einem Schlauchmagen, wenn Sie regelmäßig und vor allem herzhaft essen ("non sweet eater") und keine Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen.
  • Wie wird die Operation durchgeführt?

    Bei der Schlauchmagen-OP werden in Vollnarkose kleine Schnitte gesetzt, über welche man Arbeitsinstrumente in den Bauchraum eingeführt und sich der Operateur bis zum Magen vortastet. Er entfernt Dreiviertel des Magens, sodass am Ende ein schlauchförmiger Magen zwischen Speiseröhre und Dünndarm zurückbleibt.
  • Was ist der Sinn der Schlauchmagen-OP?

    Durch den verkleinerten Magen kann weniger Nahrung aufgenommen werden und das Hungergefühl wird durch eine Spiegelsenkung des Stoffwechselhormons Ghrelin gedämpft.
  • Was sind die Besonderheiten nach der Schlauchmagen-OP?

    Wenn Sie einen Schlauchmagen haben, verzichten Sie auf kohlensäurehaltige Getränke, denn diese kann den Magen aufdehnen, sowie auf Alkohol, welcher schneller in das Blut gelangt und eine stärkere Wirkung zeigt. Meiden Sie Magenschleimhaut-reizende Medikamente. Es kann sein, dass Sie Vitamin-B12 zuführen müssen, wenn dieses Vitamin durch die Magenoperation nicht in ausreichender Menge aufgenommen werden kann.

Alles Wissenswerte zur Biliopankreatischen Diversion

  • Wann kommt diese Methode für mich in Frage?

    Für Sie kommt diese Operation in Frage, wenn Sie unter extremem Übergewicht leiden, unregelmäßig und viele Zwischenmahlzeiten essen oder an einer „Binge eating Essstörung“ erkrankt sind.
  • Wie wird die Operation durchgeführt?

    Diese Operation kann entweder über mehrere kleine Schnitte erfolgen, über welche Arbeitsinstrumente in den Bauchraum eingeführt werden oder über einen großen Bauchschnitt, um Zugang zum Verdauungstrakt zu erhalten. Ein Teil des Magens wird durch horizontale Durchtrennung entfernt, ein großer Anteil des Dünndarms wird herausgeschnitten, anschließend der restliche Dünndarm wieder mit dem Magen verbunden und der große Teil des entnommenen Dünndarms kurz vor dem Dickdarm wieder an den Verdauungstrakt angeschlossen. Dieses Verfahren nennt man biliopankreatische Diversion nach Scopinaro. Eine Weiterentwicklung dieses Verfahrens zur Verminderung der Verdauungsprobleme stellt die biliopankreatische Diversion mit Duodenal-Switch dar, bei welchem der Magen vertikal verkleinert sowie nur der obere Anteil des Dünndarms entfernt und kurz vor dem Dickdarm wieder angeschlossen wird.
  • Was ist der Sinn der Operation "Biliopankreatische Diversion"?

    Durch diese Operationsmethode wird die Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung durch die Umgestaltung des Magen-Darm-Traktes verringert, sodass mehr Nahrungsbrei unvollständig verdaut wieder ausgeschieden wird. Zudem kann insgesamt aufgrund der Magenverkleinerung weniger Nahrung aufgenommen werden.
  • Auf was muss ich nach der Operation besonders achten?

    Sie müssen nach der Operation Vitamine und Spurenelemente, die dem Körper aufgrund dieser Operation fehlen, zuführen.

Alles Wissenswerte zur Magenballon-OP

  • Wann kommt diese Methode für mich in Frage?

    Diese Option wird in manchen Fällen im Vorfeld einer Adipositas-OP bei extremer Adipositas eingesetzt, um das Operationsrisiko zu senken.
  • Wie wird die Operation durchgeführt?

    Vor dem Einsatz des Magenballons wird mithilfe eines röhrenförmigen Instrumentes mit einer Kamera und einer Lichtquelle am Ende (Endoskop) der Magen untersucht (Magenspiegelung). Anschließend wird der Ballon aus weichem Silikon im komprimierten Zustand nach Betäubung des Kehlbereiches über den Mund in den Magen eingebracht und dort über einen dünnen Füllschlauch mit einer Kochsalzlösung befüllt, sodass dieser den Magen nicht mehr verlassen kann.
  • Was ist der Sinn der Magenballon-OP?

    Der Ballon bewegt sich frei im Magen und dient als Vorfüllung des Magens, das Sättigungsgefühl tritt schneller ein und man isst weniger. Dieser Ballon darf jedoch höchstens für sechs Monate im Magen verbleiben.
  • Auf was muss ich nach der Operation besonders achten?

    Mit einem Magenballon müssen Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit mindestens zwei Litern pro Tag achten und stärkehaltige Nahrungsmittel meiden, die sich am Ballon absetzen und zu Mundgeruch führen können.

Unserer Ratgeber aus dem Bereich hormonelle Erkrankungen

In folgenden Ratgebern stellen wir aktuelle Behandlungsmethoden vor und zeigen Ihnen, welche Krankenhäuser und Experten sich auf hormonelle Erkrankungen spezialisiert haben.

Kliniken für Adipositaschirurgie

In Deutschland gibt es 563 Kliniken für Adipositaschirurgie. Klinikradar hat die neusten offiziellen Qualitätsdaten aller Krankenhäuser ausgewertet und Kliniken mit besonders hoher Expertise bei der Behandlung von Adipositas ermittelt. Vergleichen Sie Kennzahlen und Behandlungsangebot, um die für Sie beste Klinik für Adipositaschirurgie zu finden.

  1. Krankenhaus Sachsenhausen

    Viele Fälle im Bereich Adipositaschirurgie
    • Adipositaschirurgie
      783 Fälle
    • Mittelgroßes Krankenhaus
      211 Betten
    Fachabteilung für Adipositaschirurgie:
  2. Schön Klinik Hamburg Eilbek

    Viele Fälle im Bereich Adipositaschirurgie
    • Adipositaschirurgie
      711 Fälle in 2 Fachabteilungen
    • Großes Krankenhaus
      743 Betten
    2 Fachabteilungen für Adipositaschirurgie:
  3. Helios Klinikum Berlin-Buch

    Viele Fälle im Bereich Adipositaschirurgie
    • Adipositaschirurgie
      687 Fälle
    • Großes Krankenhaus
      1.096 Betten
    • Hohe Patientenzufriedenheit
      Patientenbefragung der Techniker Krankenkasse
    Fachabteilung für Adipositaschirurgie:
Alle Kliniken für Adipositaschirurgie

Kliniken für Adipositaschirurgie nach Bundesland

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Kliniklisten: Behandlung von hormonellen Erkrankungen

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