Klinikradar

Zweitmeinung - Das sind Ihre Möglichkeiten

19.10.2021

Für viele Erkrankungen stehen unterschiedliche Behandlungsoptionen zur Auswahl. Teilweise sind mehrere Optionen gleichermaßen empfohlen, was Patient*innen die Therapieentscheidung erschwert. Auch wenn man sich von seiner Ärzt*in gut beraten fühlt, wünscht man sich häufig eine zweite Meinung.

Wann ist eine Zweitmeinung sinnvoll?

Bei der Therapieentscheidung bleibt einem als Patient*in häufig nur, voll und ganz seiner Ärzt*in zu vertrauen. Auch wenn die Vertrauensbasis zwischen Ärzt*in und Patient*in sehr gut ist und die Entscheidung gemeinsam getroffen wurde, kann eine Restunsicherheit bleiben. Besonders wenn es sich um einen umfangreichen und nicht umkehrbaren Eingriff, wie einen Gelenksersatz handelt. In diesem Fall kann es helfen, sich von einer weiteren Spezialist*in beraten zu lassen.

Habe ich ein Recht auf eine Zweitmeinung?

Die kurze Antwort lautet zunächst: ja. Denn in Deutschland besteht, anders als in anderen europäischen Ländern, freie Arztwahl. Das heißt, wenn man sich durch seine Ärzt*in nicht gut betreut fühlt, kann man diese jederzeit wechseln bzw. sich jederzeit von einer anderen Ärzt*in beraten lassen.
Zusätzlich gibt es seit 2017 eine gesetzliche Richtlinie, die den Anspruch von Patient*innen auf eine Zweitmeinung sichert. Dieser Anspruch gilt für folgende Eingriffe:

  1. Gebärmutterentfernung
  2. Mandeloperation
  3. Schulterarthroskopie
  4. Knie-Gelenkersatz
  5. Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom

Die Kosten dafür werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die meisten Krankenkassen übernehmen darüber hinaus auch die Kosten für eine Zweitmeinung bei anderen Eingriffen. Dazu gehören, je nach Krankenkasse Operationen der Wirbelsäule, Herzkatheteruntersuchungen und Hüftoperationen.

Wie gelange ich zu einer Zweitmeinung?

Ist bei Ihnen einer der Eingriffe geplant, die in der Richtlinie zum Anspruch auf Zweitmeinung genannt werden, gibt es spezielle Vorgaben für den weiteren Ablauf. Ihre Ärzt*in ist dazu verpflichtet, Sie frühzeitig vor der Operation auf Ihr Recht auf eine Zweitmeinung hinzuweisen. Für diese zweite Beratung kommen Ärzt*innen in Frage, die aufgrund ihrer Qualifikation eine Genehmigung als Zweitgutachter*in erhalten haben. Eine Liste der genehmigten Spezialist*innen finden Sie hier: 116117.de - Arztsuche (kbv.de). Außerdem ist es wichtig, dass die zweite Meinung von einer Ärzt*in stammt, die unabhängig ist, also nicht der gleichen Praxis oder dem gleichen Krankenhaus angehört, in dem die bisherige Untersuchung erfolgt ist oder die Behandlung erfolgen soll.
Handelt es sich um einen anderen Eingriff, für den die Zweitmeinung ebenfalls von Ihrer Krankenkasse bezahlt wird, gibt es keine speziellen Vorgaben für die Ärzt*in, die die Zweitberatung durchführt. Prinzipiell empfiehlt es sich aber auch hier, eine unabhängige und im Fachgebiet besonders spezialisierte Ärzt*in auszuwählen.

In meiner Umgebung gibt es keine geeignete Ärzt*in für eine Zweitmeinung, was kann ich tun?

Es gibt auch Onlineplattformen, bei denen man seine Fragen und bisherigen Befunde einreichen kann und anschließend eine zweite Fachmeinung per Mail oder per Post erhält. Wenn in der näheren Umgebung keine passende Ärzt*in für eine Zweitmeinung zur Verfügung steht, kann dies eine sinnvolle Lösung darstellen. Je nach Krankenkasse werden auch dafür die Kosten übernommen. Wenn möglich, empfiehlt es sich allerdings, eine persönliche Beratung vorzuziehen. Hier können Sie mit Rückfragen in den direkten Austausch treten und Ihre persönlichen Wünsche und Lebensumstände können besser berücksichtigt werden.
Auch private Gutachterbüros bieten Zweitmeinungen an. Die Kosten dafür werden von den Patient*innen selbst getragen.

Wie läuft die zweite Beratung ab?

Sprechen Sie mit Ihrer behandelten Ärzt*in, dass Sie sich eine zweite Meinung einholen möchten. Wählen Sie dann eine Spezialist*in aus, die Sie konsultieren möchten und vereinbaren einen Termin. Geben Sie dabei an, dass es sich um eine Zweitmeinung handelt, so ist die Ärzt*in darauf vorbereitet, dass die Diagnostik bereits erfolgt ist. Für die oben gelisteten Eingriffe gemäß Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren, finden Sie die genehmigten Ärzt*innen in folgender Liste: 116117.de - Arztsuche (kbv.de).
Zum vereinbarten Termin sollten Sie alle bisherigen Untersuchungsergebnisse mitbringen. Diese werden Ihnen von Ihrer behandelten Ärzt*in ausgehändigt. Dies ist besonders wichtig, um unnötige Wiederholungen von zum Beispiel Röntgen- oder CT-Untersuchungen zu vermeiden.

Was nützt mir die Zweitmeinung?

Wird die geplante Behandlung durch die zweite Spezialist*in bestätigt, kann Ihnen das Sicherheit in Ihrer Entscheidung geben und Sie in Ihrem Vorhaben bestärken. So können Sie ganz ohne Zweifel den geplanten Eingriff vornehmen lassen. Schlägt die zweite Berater*in eine andere Option vor, so kann Ihnen das neue, bisher vielleicht noch nicht berücksichtige Möglichkeiten aufzeigen. Das Ziel einer zweiten Meinung ist es, dass Sie sich ausreichend informiert fühlen, um eigenständig eine Entscheidung treffen zu können. Diese muss weder genau der Meinung der ersten noch der zweiten Ärzt*in entsprechen. Weiterhin ist es natürlich kein Muss, sich eine zweite Meinung einzuholen, wenn Sie sich mit Ihrem Behandlungsplan bereits sicher sind.