Klinikradar

Schulmedizin und Traditionelle Chinesische Medizin – ein heilsamer Verbund bei der Stressdiagnostik und -therapie

01.12.2021

In gleichem Maße wie in den vergangenen Jahrzehnten unser berufliches wie privates Leben einer Potenzierung und Beschleunigung in allen Belangen unterlag, stiegen die psychosomatischen Folgen in der Bevölkerung. Durch Existenzbedrohungen, Homeschooling oder Kontaktarmut erfahren Stress und Burnout in Zeiten der Pandemie einen Höhepunkt.

Schulmedizinische Diagnostik und Therapie

Trotz der negativen Konnotation des Begriffes, handelt es sich bei „Stress“ zunächst um einen lebenswichtigen Vorgang im Körper. Eine Gefahr für Körper und Psyche entsteht nur dann, wenn Stress dauerhaft und ohne Regenerationsphasen stattfindet. Die Waage zwischen den Antagonisten Sympathikus (Steuerung der Körperfunktionen bei Stress) und Parasympathikus (Steuerung der Körperfunktionen in Ruhe) des vegetativen Nervensystems, das die automatisch und willentlich nicht beeinflussbaren Vorgänge im Körper steuert, muss gegeben sein. Wie schnell allerdings dieses System ins Ungleichgewicht gerät, ist höchst individuell und abhängig von der jeweiligen körperlichen wie psychischen Konstitution und Resilienz des Einzelnen.

Ob ein Mensch medizinisch gesehen chronisch gestresst ist, bedarf einer genauen schulmedizinisch-ärztlichen Befragung und Untersuchung. Ein facettenreiches Gespräch zum Bewegungsverhalten, der Ernährung, dem psychischen Befinden und der empfundenen Stressbelastung ist dabei ebenso angezeigt wie die klassischen naturwissenschaftlichen Diagnosemethoden.

Insbesondere die Herzratenvariabilitäts-Analyse (HRV-Analyse) gilt mittlerweile in der Schulmedizin als aussagesicheres Instrument zur Bestimmung des akuten Stressbefindens des Körpers. Je variabler der Herzschlag, desto stärker ist die parasympathische Fähigkeit erhalten und desto ausgeglichener ist der Organismus.

In Form einer Messung von nur wenigen Minuten dient die HRV-Bestimmung zur Analyse der akuten Stressbelastung. Wird die Messung über einen ganzen Tag durchgeführt, erhält der Arzt einen detaillierten Eindruck, ob sich dauerhafter Stress für Psyche und Körper bereits abgezeichnet hat.

Weiterhin entschlüsselt die hormonelle Ebene den tatsächlichen Stresszustand eines Patienten. Durch die Blutanalyse können Entzündungsprozesse im Körper erkannt und durch morgendliche Speichelproben das chronische Stresshormon „Cortisol“ bestimmt werden. Aus der Summe der diagnostischen Methoden verfeinert sich das Bild, ob ein Patient einer ernstzunehmenden, dauerhaften Stressbelastung unterliegt.

So vielfältig sich die körperlichen und psychischen Folgen von chronischem Stress auswirken, so individuell und umfassend sollte auch der therapeutische Ansatz angelegt sein. Je nachdem, ob sich die individuellen Beschwerden etwa in Form von erhöhtem Blutdruck, Spannungskopfschmerzen oder beispielweise Tinnitus äußern, sind unterschiedliche medikamentöse Therapien denkbar. Übergreifend und von fundamentaler Bedeutung ist aber die Anleitung des Patienten bei einer Lebensstiländerung.

Diagnostik und Therapie in der Traditionellen Chinesischen Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin dienen die Puls- und Zungendiagnostik der Erkenntnis des Arztes, in welchem Zustand sich ein Patient in seiner Gesamtheit befindet. Körper und Psyche werden hier nicht als getrennte Parameter benannt und es steht insbesondere der gesamte Energiefluss des Patienten im Interessensfokus.

Bei einem komplexen Symptombild, wie der chronischen Stressbelastung, zeigt sich die ganze Stärke der TCM: In ihrem Zentrum steht immer der körperlich und symptomatisch einmalige Patient. Während die westliche Medizin dazu tendiert, standardisierte Medikamente anzuwenden (und auf die zeitaufwändige und vom Gesundheitssystem nicht honorierte Erarbeitung eines neuen Lebensstils verzichtet), verfolgt die TCM immer einen ganz auf den einzelnen Patienten bezogenen Therapieansatz. Etwa die Mischungen der chinesischen Arzneitherapie werden grundsätzlich für jeden Patienten individuell gemäß seiner ganz persönlichen Verfassung, Körperlichkeit und Symptomatik erstellt.

Mithilfe von Akupunktur, Qigong oder Tuina, kann der chronisch gestresste Mensch wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Qigong kann akut in der Behandlung des Patienten eingesetzt werden, um die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Mittels Tuina und Akupunktur kann eine spannungslösende und regenerierende Wirkung erzielt werden.

Die Stimulation bestimmter Akupunkturpunkte kann zudem eine Reaktion auf vegetativer Ebene bewirken, die am Ende eine Stärkung der parasympathischen Aktivität zur Folge hat. Selbst bei extremen Stressbelastungen, die durch ein Trauma ausgelöst wurden, erzielt die spezielle Behandlungsform der NADA-Akupunktur sehr gute Ergebnisse.

Die Effekte der Akupunktur sind dabei nicht rein auf der Wahrnehmungsebene des Patienten in Form von Entspannung und Ruhe zu verorten. Die Wirkung lässt sich auch ganz konkret auf die körperliche Ebene übersetzen durch eine Weitung der Blutgefäße, Pulsverlangsamung und Blutdruckabfall.

Nicht gegeben hingegen bei chronischem Stress ist eine umgehende Heilung - eine „schnelle Pille“ - mit Hilfe der Methoden der TCM. Auch der TCM-Arzt wird - wie sein schulmedizinscher Kollege - angezeigte Änderungen im Lebensstil des Patienten ins Auge fassen.

Die Bewegungsübungen des Qigong entfalten ihre volle Wirkung, wenn sie ritualisiert im Alltag praktiziert werden und mit ihrer Hilfe mentale Stille trainiert und die Energie in der Einheit Körper-Geist-Seele im Gleichgewicht gehalten wird.

Um eine dauerhafte Erholung des parasympathischen Systems zu bewirken, genügt zudem keine einzelne Akupunktur-Sitzung, sondern es muss eine mehrwöchige Akupunkturserie mit zwei wöchentlichen Sitzungen veranschlagt werden. Die Wiederholung über einen längeren Zeitraum entfaltet zudem eine tiefere Wirkungsebene, der Akupunktur: Durch die Selbstwahrnehmung beim ruhigen Liegen oder Sitzen unter Nadeln entfalten sich die Atmung und die innere Achtsamkeit, die für eine erfolgreiche Regeneration des Parasympathikus von Nöten sind.

Stressprävention an der iTCM Klinik Illertal

Den Risikofaktor Stress fokussiert die iTCM Klinik Illertal in einem Stresspräventions- und Therapiekonzept in ambulanter und stationärer Behandlung. Die Klinik, die Patient:innen nach ganzheitlichem Ansatz aus Schulmedizin, TCM und Psychotherapie behandelt, veranstaltet zudem Präventionstage für Betriebliches Gesundheitsmanagement, u. a. mit praktischen Hilfestellungen für das Personal, Qigong-Übungen, Inhalten aus Akupunktur und Akupressur, TCM-Ernährungslehre, Mind-Body-Medizin sowie persönlichen Gesundheitschecks. Nähere Infos auf der Klinik-Profilseite.