Klinikradar

Psychische Erkrankungen – Welche neuen Möglichkeiten zur Therapie gibt es für Patienten?

-
29.03.2022

Jede Erkrankung und jede:r Patient:in benötigt eine individuelle Therapie. Hier die richtige Auswahl und die richtige Dosis zu treffen, ist die Kunst der Medizin. In den letzten Jahren sind zahlreiche neue Therapieformen dazugekommen, denken wir etwa an die neuen digitalen Therapien, die insbesondere bei psychischen Erkrankungen oftmals eine erste Anlaufstelle darstellen. Zudem haben wir in den letzten zwei Jahren auch alle miterlebt, dass äußere Umstände – wie eine Pandemie – den Zugang zu vielen Therapien deutlich erschweren können und daher neue Wege gesucht werden müssen. Folgende Entwicklungen bieten spannende Möglichkeiten für die Zukunft.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA): Eine Möglichkeit zur psychologisch-psychotherapeutischen Intervention

Durch Gesetzanpassungen können zahlreiche digitale Gesundheitsanwendungen deutlich einfacher durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, oder einfach gesagt, durch den Arzt verschrieben werden. Bislang sind diese Anwendungen bei psychischen Erkrankungen insbesondere für die Diagnosen Depression, Burnout und Angsterkrankungen zugelassen. Insbesondere bei längeren Wartezeiten auf einen Therapieplatz oder als Ergänzung der Therapie können diese Formen nutzbringend für Sie als Patient:in eingesetzt werden. Diese Therapien sind insbesondere bei einer geringeren Krankheitslast sinnvoll. Bei einer zusätzlichen Therapie durch einen Psychotherapeuten oder Psychiater sollte Sie diesen auf jeden Fall darüber informieren, damit er diese Therapien in seinen Therapieplan einbauen kann. Ein großer Vorteil dieser Therapien ist die Unabhängigkeit von Ort und Zeit, sie können jederzeit auf Ihr Therapieangebot zugreifen. Unser Ratschlag: Schauen Sie sich die Therapieangebot an und verschaffen sich einen Überblick, ob es für Sie in Frage kommt. In unseren Ratgeberartikeln informieren wir Sie über alle für das jeweilige Krankheitsgebiet zugelassenen digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) sowie auch zusätzliche Angebote, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in den jeweiligen Katalog zugelassen sind.

Vernetzte Medizin – Diese Vorteile habe ich als Patient:in

Bei herausfordernden Erkrankungen sind oft zahlreiche Therapeuten eingebunden. Dazu zählt insbesondere auch die Behandlung der Depression. Oftmals wird eine Behandlung in einem Krankenhaus begonnen, bei einer Stabilisierung dann auch über einen längeren Zeitraum ambulant bei einem niedergelassenen Facharzt oder Psychotherapeuten fortgeführt. Falls notwendig, treten Patienten eine Rehabilitation an. Bislang ist zwischen den einzelnen Therapeuten eine sehr strenge Trennung vorhanden, oftmals gehen entscheidende Informationen verloren oder Diagnostik muss mehrfach durchgeführt werden. Da teilweise unterschiedliche technische Systeme verwendet werden, ist die Weitergabe von Daten zwischen den einzelnen Therapeuten nur sehr rudimentär und es sind zahlreiche Brüche vorhanden. Ziel der aktuellen Bestrebungen ist daher die Speicherung in einer elektronischen Patientenakte, in der Sie als Patient:in die Weitergabe der Daten speziell freigeben können. Dies gibt Ihnen zunächst eine deutlich größere Kontrolle über Ihre Daten, auf der anderen Seite ermöglicht es Ihnen auch, Daten schneller an neue Therapeuten zu teilen und damit verfügbar zu machen. Lästige Anrufe zum Anfordern von Daten entfallen. Höchste datenschutzrechtliche Anforderungen müssen natürlich bei allen medizinischen Daten beachtet werden. Allerdings muss auch bedacht werden, dass das aktuelle Vorgehen mit Versand per Post etc. Risiken mit sich bringt und damit die bisherige Variante sicherlich nicht die „sicherste Variante“ ist.

Anzeige

Online-Sprechstunde – eine Möglichkeit für eine einfache und schnelle Beratung

Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass äußere Umstände oft dazu führen können, dass nicht alle Therapieangebote jederzeit in vollem Umfang in Anspruch genommen werden können und neue Lösungen gesucht werden müssen. Viele Psychotherapeuten und Psychiater haben die Herausforderungen schnell angenommen und für Ihre Patienten Online-Sprechstunden angeboten. Vielen Therapeuten, aber auch Patienten sind jedoch auch die Herausforderungen einer Online-Sprechstunde aufgefallen. Insbesondere bei hochkomplexen Erkrankungen und beim Erstkontakt ist es oftmals sehr schwierig, ein Komplettbild des Patienten zu erhalten und oftmals ist auch zwingend eine körperliche Untersuchung notwendig. Als ergänzendes Angebot, etwa auch für Folgetermine, wird die Online-Sprechstunde geschätzt und wird auch weiterhin eine interessante Bereicherung bleiben.

Nach diesem Überblick werden wir in den nächsten Artikeln spezielle Angebote für Sie genauer beleuchten. Zudem finden Sie die jeweils zugelassenen und empfohlenen Angebote auf unseren Ratgeberseiten zu den jeweiligen Erkrankungen, etwa zu Depression, Burnout und Angsterkrankungen.